Book Review: The Power of Now

Power of Now Eckhart Tolle

 

Ich gebe zu, dass ich nicht das ganze Buch gelesen habe. Noch nicht einmal einen Teil davon. Nein, ich habe etwas ausprobiert: „The Power of Now … in 30 Minutes“. Das ist ein schmales Heftchen, welches von sich behauptet, die Quintessenz des Buchs zusammenzufassen. Im Nachhinein keine gute Idee, wie ich finde. Es bleibt also die erste und letzte Kurzfassung eines Buchs, die ich mir zulege.

Die Krux ist, dass es trotzdem recht lange dauert, ein kurzes Review zu schreiben. Die Quintessenz der Quintessenz sozusagen. Ich habe zu einigen Details ein bisschen recherchiert und variiert, sodass sich der Inhalt, der ja bereits aus zweiter Hand war, vielleicht etwas vom Original unterscheidet. Ich nenne es daher mal eine „freie Interpretation“ dessen, was das Buch beinhaltet – aber wie ich hoffe eine recht spannende.

Die entscheidende Idee des Buchs ist es, im Hier und Jetzt zu leben. Eckhart Tolle sieht darin den Schlüssel zu persönlichem Wachstum und spiritueller Erleuchtung. Sich den gegenwärtigen Moment bewusst zu machen hilft dabei, weniger negativ und mehr im Einklang mit uns selbst und der übrigen Welt zu sein. Obwohl vergangene Ereignisse geformt haben, wer wir sind, sollte man nicht den Erinnerungen nachtrauern. Es kann großen emotionalen Schmerz verursachen, die Vergangenheit nicht loszulassen. Ebenso belastend ist es, sich über die Zukunft den Kopf zu zerbrechen. Der beste Weg, ins Hier und Jetzt zu finden, ist es, die eigenen Gedanken und Emotionen wie ein Außenstehender zu betrachten. Das unterbindet, dass wir uns unbewusst davon kontrollieren lassen.

 

1) The Mind Is Not The Self

Unser wahres Selbst sind nicht unsere Gedanken – ein zentrales, entscheidendes Konzept. Um es wirklich zu verstehen, müssen wir die beiden Begriffe zunächst definieren:

● Mind (unser Selbstbild, das aus Gedanken, Emotionen, Erinnerungen und Zukunftserwartungen entsteht; es ermöglicht uns, aus der Vergangenheit zu lernen und für die Zukunft zu planen)

● Self (unser wahres Selbst, das existiert, wenn alle Gedanken zur Ruhe kommen und wir uns im Hier und Jetzt beobachten – ohne zu urteilen, aus der Vogelperspektive)

 

Viele Menschen leben in der Vergangenheit. Sie lassen damit verbundene negative Gedanken ihre Emotionen, ihre Taten und damit ihr Leben kontrollieren:

If people allow their minds to control them […], every aspect of their lives, including their physical body, will be under the control of mind chatter produced by memory or anticipation. In this way, the uncontrolled mind endlessly repeats memories of having failed at a task, instilling fear of trying the task again.

 

Stattdessen sollten wir lernen, ein Zuschauer unserer Gedanken zu werden. Dieser Zustand, sich seiner Gedanken bewusst zu sein, ist es, was das Leben im Hier und Jetzt ausmacht.

 

2) The Pain-Body

Dieser Begriff beschreibt das Bündel an vergangenem emotionalen Ballast, den wir mit uns herumschleppen. Mitunter kann man dies bei anderen Menschen sogar spüren, wenn diese so wirken, als ob sie „eine dunkle Wolke mit sich tragen“. Sie rufen Erinnerungen nicht nur auf, sondern durchleben sie emotional erneut. Wer aber im Hier und Jetzt lebt, entledigt sich dieser Last, denn der Pain Body existiert hier nicht. Das ermöglicht es, „Probleme“ umzudefinieren und sie als neutrale „Situationen“ ohne persönlichen Bezug zu betrachten.

Catch the Pain-Body before it fully awakens and grows stronger, giving it no chance to feed on negativity or destructive emotions.

 

3) Living in the Now

Die zentrale Idee des Buchs. Es geht darum, die Schönheit und Energie in allem zu erkennen, was uns umgibt. Den eigenen Körper bewusst wahrzunehmen, das Atmen, den Herzschlag. Und inneren Frieden zu finden, indem man alle überflüssigen Gedanken abstreift. Hierin liegt eine große Macht: Die Macht darüber, positive Veränderungen in der Wahrnehmung unseres Lebens zu erreichen.

Letztlich ist der gegenwärtige Moment das einzig reale, was wir haben. Vergangenheit und Zukunft sind nichts als Schall und Rauch, Konstrukte unserer Gedanken. Es gibt Menschen, die ihr ganzes Leben damit verbringen, früheren Fehlern nachzutrauen, vergangene Erfolge wiederholen zu wollen oder Fantasien für die Zukunft nachzujagen, die vielleicht nie Wirklichkeit werden – und dabei völlig vernachlässigen, was sie tatsächlich gerade in der Gegenwart erleben.

Complaining is a good indication one is not living in the Now.

 

Das Ganze bedeutet aber nicht, dass wir unsere Denkfähigkeit nicht nutzen sollen. Ganz im Gegenteil, wir sollten sie ganz bewusst nutzen, um aus vergangenen Fehlern zu lernen und für die Zukunft zu planen. Allerdings ist es entscheidend, sich von diesen Gedanken und damit verbundenen Emotionen nicht beherrschen zu lassen, sondern sie aus der Beobachterperspektive zu betrachten und ihnen damit die Kontrolle über unser Selbst zu nehmen.

 

4) Enlightenment

Buddha sah die Erleuchtung als das Ende des Leidens. Im fernöstlichen Denken wird damit das „Aufgeben“ assoziiert, allerdings in positivem Sinn: zu akzeptieren, was ist, es zuzulassen, ohne sich persönlich damit verbunden zu sehen, und es geschehen zu lassen, ohne Konsequenzen zu fürchten. Eckart Tolle glaubt, dass damit das Leben im Hier und Jetzt gemeint ist, denn allein dort ist kein Platz für unsere Schmerzen oder Angst.

Aufgeben meint also nicht, im negativen Sinne zu Scheitern, sondern im positiven Sinn loszulassen. Auf diesem Weg wird die Erleuchtung möglich, ein Zustand der Freiheit. Freiheit vom Leiden, von Angst, von selbst herbeigeredeten Unzulänglichkeiten und von überzogenen, negativen Gedanken. Die größten Hürden auf diesem Weg sind unsere ständig aufkommenden Gedanken und der negative Ballast des Pain Body. Doch beides verschwindet, wenn wir im Hier und Jetzt leben, urteilsfrei beobachten, und verstehen, dass diese Dinge nicht unser wahres Selbst definieren.

Ego describes a false self, created by unconscious identification with the mind. The ego is a part of us that seeks to control our thoughts and actions, many times to our detriment, by relying on the past and the future rather than the present.

 

Das Loslassen lässt sich über uns selbst hinaus auf Freundschaften und Beziehungen erweitern. Hier bedeutet es, davon loszulassen, über die andere Person zu urteilen oder sie verändern zu wollen. Loslassen bedeutet, einen Menschen vollständig so zu akzeptieren, wie er ist. So kann ein starkes Band entstehen, was ein Leben lang verbindet.

 

Fazit

Die Quelle des Glücks ist unsere innere Welt. Nicht, was wir besitzen, sondern die besonderen Momente, die wir erleben. Eckhart Tolle beschreibt das Leben im Hier und Jetzt als entscheidenden Faktor, um unsere endlosen Gedanken und Emotionen loszuwerden und unser wahres Selbst wiederzufinden.

Ich glaube an dieses Konzept. Wenn wir Abstand nehmen und uns als Beobachter bewusst machen, was wir denken, entsteht eine ganz andere Wahrnehmung. Im Alltag ist es schwierig, da wir schnell in unzähligen Routinen und Gedankenschleifen gefangen sind.

Eine gute Idee ist es daher, immer mal wieder auszubrechen und etwas neues zu erleben. Es ist sicher kein Zufall, dass wir bei Reisen in neue Länder, beim Ausprobieren neuer Hobbies, beim Umzug, einem Jobwechsel oder zu Beginn einer neuen Beziehung eine ganz andere Wahrnehmung haben – es scheint fast so, als würde die Zeit langsamer ablaufen, wir fühlen uns entspannter, sehen ganz neue Details, und denken viel positiver. All das, so denke ich, entstammt letztlich dem Effekt, bewusst im Hier und Jetzt zu leben und den Moment zu genießen.

Schreibe einen Kommentar

Hier kannst du deinen Senf dazugeben :)