Book Review: Zero to Hero

Zero Hero Losing Trader Consistently Profitable Yvan Byeajee

 

Zero to Hero ist ein etwas anderes Buch über Trading-Psychologie. Anders deswegen, weil der Autor, Yvan Byeajee, mehr oder weniger nur aus eigener Erfahrung erzählt. Entdeckt habe ich seinen Blog letztes Jahr und bin dann recht schnell auf das Buch gestoßen. Es hat keine 100 Seiten und ist deswegen recht schnell gelesen. Hier möchte ich die wesentlichen Punkte daraus zusammenfassen.

Wenn man das Buch in einem Ratschlag zusammenfassen möchte, dann so: „Fang damit an, jeden Tag zu meditieren.“ Früher hätte ich das für totalen Quatsch gehalten. Aber inzwischen hat sich die Sache geändert, und Yvan macht einen recht guten Job darin, dem Leser die große Bedeutung dieser Technik näherzubringen.

 

Kapitel 1: My Humble Beginnings

Das Buch beginnt damit, dass sich Yvan gerade den Sonnenuntergang auf Mauritius anschaut. Gleich darauf erzählt er aber, dass der Weg zum Trading-Erfolg keineswegs einfach war. Die schlimmsten Erfahrungen haben ihn wertvolle Lektionen gelehrt, für die er rückblickend dankbar ist – speziell darüber, dass er seine eigene Rolle in diesen Erfahrungen erkannt hat.

Gleich im ersten Kapitel nennt er den wichtigsten Punkt. Es geht darum, sich selbst als Person von seinen eigenen Gedanken zu distanzieren. Darauf wird in späteren Kapiteln noch sehr ausführlich eingegangen. Wie viele Trader kam Yvan mit einem Bündel an Unsicherheiten, Ängsten und schlechten Gewohnheiten ins Trading, um damit sowohl schwere finanzielle als auch emotionale Drawdowns zu erleben. Er war mental völlig unvorbereitet und hatte angenommen, die notwendigen psychologischen Fähigkeiten für professionelles Trading bereits zu besitzen. Wie so viele Einsteiger dachte er, es einfach besser zu können als all die übrigen Trader, die an den Märkten scheitern.

 

Kapitel 2: The Shift

Um als Trader erfolgreich zu sein, braucht es auf der mentalen Ebene zwei Dinge. Zum einen die Fähigkeit, wirklich im Hier und Jetzt zu sein, und zum anderen das Bewusstsein über den eigenen, aktuellen mentalen Zustand.

Alles, was wir im Leben tun, dient dazu, unseren mentalen Zustand zu verändern. Doch im Trading ist das, was sich gut anfühlt und kurzfristigen psychologischen Schmerz vermeidet, oft mit falschen Entscheidungen verbunden. Aber es ist eine erlernbare Fähigkeit, das zu tun, was schwierig – aber letztlich richtig – ist.

Dazu muss man ein passiver Beobachter der eigenen Gedanken und Gefühle werden. Durch diesen veränderten Standpunkt wird es möglich, sich zu distanzieren. Und das führt dazu, dass die Gedanken das tatsächliche Handeln nicht mehr ungewollt beeinflussen.

Wir können die Märkte nicht ändern. Aber wir können uns ändern.

 

Kapitel 3: Self Analysis

Im Jahr 2011 hatte der Yvan 90% seines Trading-Kapitals verloren. Das war sein persönlicher Tiefpunkt nach 5 Jahren Trading. Erst dann schaffte er die Wende. Er erkannte, dass er seine innere Zufriedenheit bisher immer an den Märkten gesucht hat. An einem externen Ort also, statt diesen Zustand innerlich bei sich selbst zu erlangen.

Die Suche im Außen kann keine nachhaltige Zufriedenheit bringen. Es führt nur dazu, dass man die Kontrolle über sich verliert – wie ein Drogenabhängiger, der immer wieder neuen Stoff braucht. Es ist nie genug. Es ist nie zufriedenstellend.

 

Kapitel 4: The Magic Pill

Die magische Pille existiert. Und ich habe schon verraten, wie Yvan sie nennt: Meditation.

Wir verbringen einen Großteil unseres Lebens in Gedanken. Das ist die natürliche Tendenz unseres Geistes. Aber gleichzeitig kann die Ablenkung durch Gedanken auch genau die Ursache für unser Unwohlsein bedeuten – so legt es zum Beispiel der Buddhismus aus. „Buddha“ bedeutet im übertragenen Sinne „einer, der wach ist“.

Yvan bringt einen schönen Vergleich zu Träumen. Wenn wir schlafen und ein Traum beginnt, sind wir nicht überrascht. Genauso ist es, wenn wir wach sind und unsere Gedanken (unaufhörlich) zu kreisen beginnen. Stellen wir uns mal vor, man würde all diese Gedanken über einen Lautsprecher übertragen – für andere würde sich das ziemlich wahnsinnig anhören.

Das Problem sind nicht die Gedanken selbst. Es ist unser Zustand, dass wir uns dessen nicht bewusst sind. Deswegen ist es so wichtig, die Kontrolle zu erlangen – uns bewusst zu werden, dass es nur Gedanken sind. So können wir uns als Person von unseren Gedanken unterscheiden.

 

Kapitel 5: The Awakening

Wir müssen verhindern, dass unsere Gedanken und Emotionen – Wut, Angst, Verzweiflung, was immer es ist – die Kontrolle übernehmen. Indem wir unsere Gedanken aus der Perspektive eines Außenstehenden beobachten, können wir uns davon lösen.

Der Autor war lange selbst in der Situation, von seinen Gedanken kontrolliert zu werden. Denn unbewusst hatte er ihnen genau diese Kontrolle über sich erlaubt. Wenn wir uns nicht bewusst darüber sind, was wir denken, beeinflusst das unsere Reaktion auf alles in unserer Umwelt.

Meditation ist eine Lösung. Eine Alternative dazu, im langweiligen und unproduktiven Dialog mit uns selbst gefangen zu sein. Der Dialog, der uns sagt, was wir hätten tun können oder sollen.

 

Kapitel 6: The Illusion of the Self

Unser Bild von uns selbst ist eine Illusion. Unser Bewusstsein, Kapitän unseres Körpers zu sein, ist nichts als das direkte Ergebnis unzähliger neurophysiologischer Prozesse in unserem Gehirn. Prozesse, die wir nicht kontrollieren können.

Dass wir so viel Zeit in Gedanken verbringen, ist die Ursache der Mittelmäßigkeit in unserem Leben. Wenn wir uns dagegen bewusst sind, dass wir zum Beispiel Angst spüren und es nur aus der Beobachter-Perspektive wahrnehmen, machen wir uns frei davon. Wir haben dann Klarheit – aber nur, solange wir uns nicht wieder in Gedanken verlieren.

Gedanken und Emotionen tauchen in uns auf wie Wolken am blauen Himmel. Der Himmel ist immer da und wird Zeuge davon, wie die Wolken kommen und gehen.

Wer lernt, sich von seinen Gedanken abzugrenzen, kann Erfolg im Trading haben. Wir müssen aber auch erkennen, dass dieser Erfolg allein nicht die große Freiheit bedeutet, die so viele suchen. Freiheit finden wir nur, wenn wir sie in uns selbst entdecken.

 

Kapitel 7: How To

Ablenkung durch Gedanken ist quasi der Normalzustand unseres Geistes. Wer meditiert, fokussiert sich als erstes auf seine Atmung. Es geht darum, den Moment zu erkennen, wenn die Gedanken aufkommen und wir uns in ihnen verlieren. Dann müssen wir uns in die Beobachter-Perspektive versetzen und die Gedanken von außen anschauen, als wären es Bilder. Wir beobachten, wie sie entstehen und wieder verschwinden.

Im Idealfall kommen wir an den Punkt, an dem die Gedanken und unser Bewusstsein darüber praktisch gleichzeitig auftreten. Das ist fürs Trading optimal. Denn um negative Verhaltensmuster zu verändern, müssen wir uns der damit verbundenen Gedanken in Echtzeit bewusst werden – im Gegensatz dazu, dass wir erst im Nachhinein erkennen, dass diese Gedanken uns kontrolliert haben.

 

Kapitel 8: The Great Meaning

Wer es geschafft hat, dauerhaft profitabel an den Märkten zu handeln, für den bedeutet der Erfolg vielleicht gar nicht mehr so viel. Auf den ersten Blick ein Paradox. Was man zuvor unbedingt erreichen wollte, ist plötzlich nicht mehr so beeindruckend. Gewinn- und Verlust-Trades können gleichermaßen „langweilig“ werden. Das heißt auch, Fehler und Verluste als das zu akzeptieren, was sie sind: Erfahrungen, aus denen wir lernen können.

Glücklich zu sein ist unabhängig von Erfolg. Wir werden die Erfüllung im Leben finden, wenn wir unsere Bedenken loslassen und uns darauf fokussieren, was im Hier und Jetzt geschieht. Denn das allein ist die Realität unserer Existenz. Wenn es eine bedingungslose Form von Glück gibt, dann können wir sie nur im aktuellen Moment finden.

Wir müssen loslassen von der Vergangenheit – sie ist nichts als eine Erinnerung. Loslassen von der Zukunft, denn sie ist noch nicht da und wir können sie nur antizipieren. Loslassen von den Gedanken über uns selbst. Wir müssen das ständige Rauschen all dieser Gedanken abstellen. Wenn wir wirklich verstehen, dass der Moment letztlich alles ist, was wir haben, können wir daran arbeiten, das Beste daraus zu machen.

In jedem Trade transportieren wir unsere Ängste und Hoffnungen. Und wir sind enttäuscht, wenn es nicht so läuft wie erwartet. Der Grund dafür ist, dass wir in unserem Denken stets versuchen, Probleme zu lösen. Was wir aber viel zu selten tun, ist, wirklich den aktuellen Moment wahrzunehmen und Erfüllung darin zu finden.

Yvan selbst findet seine Erfüllung darin, ein einfaches Leben zu führen. Er sagt von sich selbst, dass er nur ein ganz normaler Mensch ist, der nicht aufgegeben hat.

 

The Studies

In diesem Kapitel beschreibt Yvan einige Studien, die den positiven Effekt von Meditation zeigen. Hier einige ausgewählte Punkte, wie sich Meditation auswirkt:

● es reduziert unser „Affen-Denken“; damit ist das ständige Kreisen der Gedanken gemeint, was uns unglücklich macht, indem wir zu viel über die Vergangenheit und die Zukunft nachdenken; das Ziel der Meditation ist es, diesen Gedankenkreislauf herunterzufahren

● es gibt uns die Fähigkeit, auf den aktuellen Moment fokussiert zu sein; auf diese Weise können Trader es schaffen, den Markt wirklich objektiv zu beurteilen und Positionen bestmöglich zu managen

● es verbessert den Fokus, die Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, unter Stress zu arbeiten

● es verbessert die Informationsverarbeitung und Entscheidungsfindung

● es verringert die Symptome von Panikstörungen und Depressionen

● es verleiht mentale Stärke, Ausdauer und emotionale Intelligenz

 

Q&A

Yvan beantwortet in diesem Kapitel einige typische Fragen rund um das Thema Meditation. Darauf möchte ich hier nicht im Detail eingehen, sondern nur drei wichtige Punkte aus den verschiedenen Antworten vorstellen:

● Angst und Gier existieren nur in den Grenzen unserer Gedanken; das heißt, dass wir auf Basis dieser Gedanken und Emotionen nicht aktiv werden müssen

● Jeder hat einen aktiven Geist mit vielen Gedanken; der Schlüssel ist es, ihnen nicht zu widerstehen, sondern sich ihrer bewusst zu werden – so verschwinden sie auch wieder

● Trading wird immer frustrierend und nie befriedigend sein, wenn wir darauf warten, dass uns die Märkte auf einer Moment-zu-Moment-Basis erfüllen; Glück können wir nie außerhalb, sondern nur innerhalb von uns finden – dort, wo es nicht vom Auf und Ab der Kurse abhängig ist

 

Bonus Chapter

Dieser letzte Abschnitt beinhaltet das erste Kapitel aus Yvan’s Buch „Paradigm Shift“ als Leseprobe. Es ist nur ein kurzer Text, aber er spricht einen wichtigen Punkt an: „Das Ende des Egos“. Ein gutes Konzept, das letztlich zu wirklicher innerer Gelassenheit führt. Es ist das Ende des Verlangens und das Ende der ständigen emotionalen Verbundenheit mit den Situationen, in denen wir uns befinden. Im Buddhismus sagt man, es sei die Quelle unseres Leids, sich an etwas festzuhalten – sei es an Dingen, Ideen, Meinungen oder Menschen, oder gar am Leben selbst.

Ich werde mir dieses zweite Buch erstmal nicht zulegen. Sicherlich sind einige Parallelen in beiden Büchern enthalten, sodass ich zunächst „Trading Psychology 2.0“ von Brett Steenbarger zu Ende lesen werde. Dazu folgt dann ebenfalls ein Review – so wie es aussieht ein sehr umfangreiches!

Schreibe einen Kommentar

Hier kannst du deinen Senf dazugeben :)