Bookreview: New Trader Rich Trader 2

Steve Burns New Rich Trader 2 Buch

 

Es gibt einen ganz einfachen Unterschied zwischen guten und schlechten Tradern: Gute Trader machen konsistent gute Trades, und schlechte Trader konsistent schlechte Trades. Das Ziel des Buchs soll es daher sein, dem Leser die richtigen Prinzipien vor Augen zu führen und ihm genau diesen Unterschied zwischen guten und schlechten Trades zu zeigen.

Dabei geht der Autor im Stil einer Geschichte vor: Ein neuer Trader (New Trader) trifft sich regelmäßig mit einem deutlich älteren, erfahrenen, reichen Trader (Rich Trader). Die beiden sprechen über die Fortschritte des neuen Traders, wobei es nach und nach um verschiedene Dinge geht, die dem Leser klassische Fehler und Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Dadurch liest sich das Buch ziemlich flüssig, da man den Ausgang der Geschichte erfahren möchte. So hat man die nur rund 100 Seiten im Handumdrehen geschafft. Natürlich verrate ich hier nicht, wie es ausgeht, das muss schon jeder selbst lesen.

 

Part 1: Managing the Mind to Stay in the Game

Trading ist einer der wenigen Berufe, in dem selbst die besten Profis vergleichsweise geringe Trefferquoten haben und oft falsch liegen. Wie ein Sportler, der ein paarmal nicht seine beste Leistung abgerufen hat, aber dennoch weiß, dass er es kann, müssen auch Trader nach Misserfolgen am Ball bleiben – statt zuzulassen, dass es an ihrem Selbstvertrauen kratzt. Das geht nur mit Begeisterung fürs Trading; wer die hat, den trennt im Prinzip nur die Zeit von seinen Zielen. Und nur mit dem Glauben an sich selbst kann das eigene Unterbewusstsein dafür sorgen, den richtigen Weg zu finden.

„That is the hard part, sticking with the process when you lose over and over again.“ (New Trader)

 

Der Trader ist das schwächste Glied in jedem Trading System. Damit ist man selbst der entscheidende Faktor für den Erfolg – mehr noch als die gehandelte Strategie.

„Stupid, stupid, stupid! Follow the plan, not your fear!“ (New Trader)

 

Für Rich Trader ist ein Verlust nicht, wenn ein Trade im Minus endet. Er wertet es nur dann als Verlust, wenn er seinen Regeln nicht folgt. Und das passiert nur noch sehr selten. Wie ein Sportler, der gewinnen will, sich an die Regeln halten muss, muss sich ein Trader an seine eigenen Regeln halten. Er muss konsequent als Unternehmer handeln, nicht als Zocker.

„Outcomes can be random but the process must be robust.“ (Rich Trader)

 

Wenn er dagegen Geld in einem Trade verliert, macht das nichts. Denn er verliert nicht sein Selbstvertrauen. Ganz im Gegenteil: Verluste sollten uns neugierig machen, statt uns in eine Vertrauenskrise zu stürzen. Wer diesen Schritt schafft, gehört zur Minderheit, die einen mentalen Vorteil gegenüber anderen Marktteilnehmern hat.

„The calm, rational trader is the best trader.“ (Rich Trader)

 

Ein Problem von New Trader ist, dass seine Freundin seine Probleme nicht versteht. Sie denkt, dass es leicht ist, billig zu kaufen und teuer zu verkaufen und so eine Menge Geld zu machen. New Trader kommt mit der mentalen Schiene bei ihr nicht durch.

Szenenwechsel zum Cafe, ein Treffen von New Trader und Rich Trader. Die beiden diskutieren Trading-Prinzipien. Wer an Allzeithochs short geht, tradet normalerweise nach seinem Ego. Dieser Trader will derjenige sein, der sagen kann, er habe das Hoch verkauft. Ein anderes Problem ist der Zwiespalt von Plan und Umsetzung: Ein Trading-Plan wird geschrieben, um langfristig Geld zu verdienen. Allerdings versuchen uns unsere Emotionen kurzfristig vor Verlusten zu schützen – das kann zu Konflikten führen. Dabei sollte kein einzelner Trade jemals unsere Emotionen oder unser Leben beeinflussen, denn es ist ja nur einer von vielen.

„You’re really playing against yourself.“ (Martin Schwartz)

 

Die Gespräche liefern dem Leser wertvolle Punkte zum Nachdenken. Emotionales und finanzielles Kapital müssen getrennt sein. Unsere Stimmung und unser Selbstvertrauen dürfen nicht von Trading-Ergebnissen abhängen. Zudem sollte Trading nur einen Teil unseres Lebens ausmachen, denn die Freude am Leben kommt aus vielen anderen Bereichen. Das bedeutet aber nicht, aufzugeben, wenn es mal nicht so gut läuft. Nur weil eine Ernte scheitert, hört der Bauer ja auch nicht auf, Bauer zu sein. Es ist seine Identität, die er wegen eines Fehlschlags nicht infrage stellt.

„Good trades are like buses. If you miss one, you just wait for the next one to arrive.“ (Rich Trader)

 

Wichtig ist auch, dass Trading Spaß macht. Wer durch das Trading unglücklich wird oder zu viele negative Gedanken hat, entwickelt sich in die falsche Richtung.

 

Part 2: Creating a Robust Methodology

Das meiste Geld wird gemacht, wenn man dem Markt folgt, wohin er möchte. Nicht, indem man rät, hofft, oder gegen die Strömung kämpft. Ein Beispiel sind Widerstände. Erst, wenn der Markt einen Ausbruch macht, kann man erwarten, dass der Kurs deutlich höher geht. Vorher ist es genauso gut möglich, dass er abprallt und weiter zurückfällt. Ein reaktiver Trader wird daher immer auf die Signale des Marktes hören und entsprechend handeln, wenn sein Szenario bestätigt oder widerlegt wird.

Trading-Regeln sind nicht dazu da, dem Trader seine Freiheit zu rauben. Sie sind dazu da, ihn vor sich selbst zu beschützen. New Trader hat allerdings einige Probleme damit, seine Trades plangemäß umzusetzen – sich von der Theorie zur Praxis zu begeben, vom Lernen zum Handeln, von Prinzipien zu Aktionen.

Es ist wie im Sport: Training und Wettkampf sind verschiedene Dinge. In einem Wettkampf spielen der Druck und die Erwartungshaltungen plötzlich eine Rolle, was im Training nicht der Fall war. Und dennoch, genau das ist der Zeitpunkt, es umzusetzen oder es sein zu lassen. Die besten Sportler unterscheiden sich oft nur durch ihre größere mentale Stärke von der Konkurrenz.

„I’ve learned that a top trader skill is the ability to do in real time what you had planned to do before the market opened.“ (New Trader)

 

Reaktives Trading ist eines der größten Erfolgsgeheimnisse von Rich Trader. Er handelt die Kurse, wie sie sich entwickeln, statt vorauszusehen, was in der Zukunft passiert. Rich Trader wartet also auf eine Bestätigung seines Einstiegs, statt nur zu antizipieren, was geschehen könnte. Zudem versucht er, seine Einschätzung zur Price Action zu objektivieren, sie also möglichst unabhängig von seinen offenen Positionen zu beurteilen. Ein klassischer Fehler wäre beispielsweise, in einem Bullenmarkt short zu gehen – nur, weil man „glaubt“, die Kurse seien zu hoch.

Der Einstieg sollte an einem Punkt mit hoher Erfolgswahrscheinlichkeit liegen. Das ist dann der Fall, wenn es Bestätigung dafür gibt, dass sich etwas im Kursverhalten verändert hat, das sich quantifizieren lässt und die Bewegung in eine bestimmte Richtung andeutet. Zum Beispiel sind Allzeithochs oder Allzeittiefs gute Einstiege für Ausbruchsstrategien von Trendfolge-Tradern. Dann ist es wichtig, lange genug im Trade zu bleiben. Man braucht die großen Gewinne, um für die kleinen Verluste bezahlen zu können.

„The reason I make money is because I am a top expert in the world for the markets I trade and the method I use.“ (Rich Trader)

 

Ein Tipp von Rich Trader ist, dass sich die Volatilität am Markt in Zyklen entwickelt. Phasen hoher und niedriger Schwankungsbreiten wechseln sich ab. Diese Dynamik kann die Art und Weise ändern, wie man seine Methode auf die Märkte anwenden muss. Man braucht dafür quantifizierbare Daten, die zeigen, dass die Strategie unter den jeweiligen Rahmenbedingungen funktioniert. Der Erfolg von Rich Trader kam durch seinen Fokus auf wenige Dinge, deren Rhythmus, Trends und Kurshistorie er aber sehr gut verstand.

 

Part 3: Managing Risk to Stay in the Game

Das Risiko-Management ist die letzte und wichtigste Instanz. Sie entscheidet darüber, ob wir es als Trader schaffen oder nicht. Auch dann, wenn bereits die Handelsstrategie sowie die psychologische Seite optimal sind.

Besonders gefährlich kann es in Drawdowns werden. Zum Beispiel dann, wenn ein Trader 10% hinten liegt und es sofort wieder aufholen möchte. Drawdowns erzeugen emotionalen Schmerz, dem das Ego entgegensteuern will, indem es „beweist“, dass es ein guter Trader ist und das Geld schnell zurückverdienen kann. Dieser emotionale Drang kann zu einer Reihe von Fehlern führen, selbst bei erfahrenen Tradern. So kann es passieren, dass sie Gas geben, während sie in die falsche Richtung fahren, anstatt zu bremsen und das Risiko eher zurückzunehmen.

Drawdowns sind ein Zeichen, dass der Markt gerade nicht zur gehandelten Strategie passt. Man sollte also kleiner traden und geduldig sein, bis sich die Marktdynamik wieder ändert. Jetzt große Positionen zu handeln kann zu erheblichen Verlusten führen. Der Weg aus einem Drawdown ist es, sich an den Plan zu halten, statt zu versuchen, ein Held zu sein und sich mit wenigen Trades wieder herauszuhandeln.

„Without fail, the story of the blown-up account involved inappropriately large position sizes or huge price moves, and sometimes a combination of the two.“ (D. R. Barton, Jr.)

 

New Trader fällt es schwer, zu glauben, dass manchmal Nichtstun das richtige ist. Und stattdessen ins Kino zu gehen oder ein Buch zu lesen. Rich Trader aber meint: Wir verdienen kein Geld, indem wir irgendetwas tun, sondern nur, indem wir das Richtige tun. Und manchmal ist es eben das Richtige, nichts zu tun. Denn das Ziel ist es nicht nur, in einer Gewinnserie so viel wie möglich zu verdienen – sondern auch, in einer Verlustserie so wenig wie möglich zu verlieren.

Der grundlegende Treiber von Trends sind Angst und Gier. Der Grund, warum Trendfolge so profitabel ist, sind die Trading-Konzepte, die diesen Tradern die Möglichkeit geben, an den großen Bewegungen in verschiedenen Märkten zu partizipieren. Rich Trader schaut daher beispielsweise auf einen starken Trend, der aus einer langen Konsolidierung bzw. Preisbasis heraus entsteht. Ja nachdem, wie Rich Trader seine Erfolgswahrscheinlichkeit beurteilt, skaliert er seine Positionen größer oder kleiner. Zwei seiner Lieblings-Setup sind:

● Wachstumsaktie, die vor Bekanntgabe von Quartalszahlen aus einer 1-monatigen Preisbasis nach oben auf neue Allzeithochs ausbricht

● Aufwärts-Gap einer Wachstumsaktie nach Bekanntgabe von Quartalszahlen

 

Letztlich versucht jeder Trader, auf seiner Zeitebene einen Trend zu erwischen. Dabei muss er Kursrisiken, Emotionen und das eigene Ego managen. Das ist der Kern allen Tradings.

Wie viele andere Dinge im Leben ist Trading etwas sehr persönliches. Rich Trader vergleicht es mit einer Dating-Beratung: Um von einem Coach zu lernen, wie man einen Partner findet und eine glückliche Ehe führt, gibt dieser seinem Kunden ja auch nicht einfach seine eigene Frau. Stattdessen bringt er dem Klienten bei, was die universellen Prinzipien sind, die funktionieren und die er entsprechend auf eigene Art und Weise umsetzen muss. Diese Prinzipien sind in einer Beziehung Kommunikation, Respekt und Romantik. Im Trading sind es Risiko-Management, Psychologie und Strategie. Die genauen Details, die für den einen funktionieren, können für jemand anderen aber unpassend sein.

Ein Kommentar zu Bookreview: New Trader Rich Trader 2

  1. Christoph Simon sagt:

    „Letztlich versucht jeder Trader, auf seiner Zeitebene einen Trend zu erwischen. Dabei muss er Kursrisiken, Emotionen und das eigene Ego managen. Das ist der Kern allen Tradings.“

    70% aller erfolgreichen Trader handeln kontra und keine Trends. Dies gilt insbesondere für das Daytrading.
    Dazu gibt es noch die zahlreichen (Orderbuch)Scalper.

    Bei der Definition des Kern allen Tradings sollte man aufpassen. 🙂

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