Das Traum-Setup für Leerverkäufe?!

Viele Anleger wissen, dass gehebelte ETPs eine gewisse Pfadabhängigkeit bzw. einen Basiseffekt aufweisen, da die Produkte stets nur die gehebelte Rendite innerhalb eines (!) Handelstags in Bezug zum Schlusskurs des vorherigen Tages abbilden. Das führt dazu, dass sowohl gehebelte Long- als auch Short-ETFs insbesondere bei volatilen Basiswerten im Lauf der Zeit im Vergleich zum eigentlichen Hebel underperformen.

Ein extremes Beispiel gab es in der hochvolatilen Marktphase von November 2008 bis Juni 2009. In dieser Zeit fiel der 3-Fach-Long Financial ETF (Kürzel FAS) um rund 70%, während der 3-Fach-Short Financial ETF sogar um rund 95% fiel – und das bei einem per Saldo nur moderat rückläufigen Basiswert (minus 7%).

Aus dieser Beobachtung lässt sich eine interessante Handelsstrategie ableiten, die in der Studie „Shorting Leveraged ETF Pairs“ genauer untersucht wird: Das Shorten sowohl des gehebelten Long- als auch des gehebelten Short-ETPs auf den gleichen Basiswert.

Die Strategie ist grundsätzlich eine Wette auf Mean Reversion des Basiswerts. Dabei ist es vergleichsweise unerheblich, ob sich der Kurs einen Aufwärts- oder Abwärtstrend befindet. Entscheidend ist eine ausreichend hohe Volatilität im Sinne möglichst starker, abwechselnd auftretender Auf- und Abwärtstage. Im Gegenzug treten Verluste auf, wenn über mehrere Tage anhaltende Trendbewegungen nach oben oder unten entstehen.

Die Forscher testen die Handelsstrategie in insgesamt sechs Märkten, von denen vier (FAS/FAZ, TNA/TZA, JNUG/JDST, ERX/ERY) eine durchschnittliche Monatsrendite von mehr als 1% ermöglichen. Die Renditen können weiter verbessert werden, indem die Persistenz der Volatilität ausgenutzt und die Strategie immer dann begonnen wird, wenn die beobachtete Schwankungsbreite der Kurse im vergangenen Monat vergleichsweise hoch war.

 

Doppel-Short-Strategie Tabelle Monatsrenditen

Die Tabelle zeigt die durchschnittlichen Monatsrenditen sowie weitere Kennzahlen der Doppel-Short-Strategie (jeweils 50%) in den untersuchten 3-Fach gehebelten ETP-Paaren, unterteilt in die beiden Szenarien mit Volatilitätswerten des Basiswerts im Vormonat unter bzw. über dem Median. Zeitraum: 2008-2016. Quelle: Hessel, C. / Nam, J. / Wang, J. / Xing, C. / Zhang, G. (2019), Shorting Leveraged ETF Pairs, S. 24

 

Auf dem Papier sieht die Doppel-Short-Strategie also vielversprechend aus. Allerdings gibt es zwei erhebliche Einschränkungen für die praktische Umsetzung:

● extreme Drawdowns: Die Gewinne von Short-Positionen sind auf maximal 100% begrenzt, während die Verluste weitaus höher ausfallen können. Kommt es also zu anhaltenden, starken Trends in eine Richtung, sind die Verluste des einen Short-Legs viel höher als die Gewinne des anderen.

● Leihgebühren: Gerade in turbulenten Marktphasen, in denen sich das Aufsetzen der Strategie besonders lohnt, können erhebliche Hard-to-Borrow-Gebühren anfallen, die das verbleibende Gewinnpotenzial massiv einschränken. Alternativ wäre eine Umsetzung der Strategie mit „nur“ 2-Fach gehebelten ETPs denkbar.

 

Fazit

Die Doppel-Short-Strategie ermöglicht attraktive Renditen in volatilen Märkten, wird aber in der Praxis durch hohe Kosten und Drawdowns belastet.

 

Quellen:

[1] Hessel, C. / Nam, J. / Wang, J. / Xing, C. / Zhang, G. (2019), Shorting Leveraged ETF Pairs, Baruch College & Pace University & Southwestern University & William Patterson University

[2] Bespoke Investment Group (2009), FAS and FAZ: A Short-Seller’s Dream?, Zugriff am 28.10.2019

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