Faktor-Momentum

Die Renditen der verschiedenen bekannten Risikofaktoren neigen kurzfristig dazu, weiter anzuhalten, wenn sie sich erst einmal etabliert haben. Dies stellt sozusagen die Meta-Ebene der einzelnen Kapitalmarkteffekte dar. Faktor-Momentum beschreibt demnach nicht die Ursache der einzelnen Anomalien, sondern deren Persistenz.

Insgesamt untersuchen die Autoren 51 verschiedene Faktoren. Dabei zeigen sie unter anderem, dass Faktor-Momentum auch bekannte Effekte wie Industry-Momentum abbildet. Faktor-Momentum lieferte im Zeitraum von 1963 bis 2016 stabile Überrenditen, die sich nicht auf bestimmte Zeiträume konzentrierten. Eine Abnahme der Renditen war auch zuletzt nicht zu beobachten. Im Gegensatz zum Momentum-Effekt, der von gelegentlichen Crashs heimgesucht wird, weist das übergeordnete Faktor-Momentum in diesen Phasen mitunter sogar besonders positive Phasen auf.

Am stärksten ist Faktor-Momentum, wenn die Ranking- und Holding-Periode einen Monat beträgt. Daraus ergibt sich die mögliche Strategie, immer auf diejenigen Faktoren zu setzen, die im letzten Monat am stärksten ausgefallen sind. Das steht im Kontrast zur sonst propagierten Strategie, dauerhaft auf einen einzelnen Faktor zu setzen, der historisch die höchste Prämie lieferte.

Den größten Beitrag zur Profitabilität haben Faktoren mit Bezug zu finanzieller Schieflage, Illiquidität und Volatilität. Allerdings ist es nicht unbedingt notwendig, das Gesamtuniversum aller 51 Faktoren einzubeziehen. Bereits ein Set von 10 zufälligen Faktoren reicht aus, um annähernd die gleiche Profitabilität zu erreichen.

 

Faktor Industry Momentum

Der Chart zeigt die kumulativen Log-Renditen des Marktes abzüglich des risikolosen Zinses sowie der Faktor-, Industry- und klassischen Momentum-Strategie. Die Faktor-Momentum-Strategie basiert auf einem Universum von 51 Faktoren und wählt davon die Top/Flop 8 für das Long- und Short-Portfolio aus, wobei der Ranking- und Holding-Zeitraum jeweils 1 Monat beträgt. Die Industry-Momentum-Strategie basiert auf 20 nach Marktkapitalisierung gewichteten Portfolios der einzelnen Branchen. Die klassische Momentum-Strategie entspricht dem Momentum-Faktor nach Carhart. Alle Strategien sind zur besseren Vergleichbarkeit um die Renditen des 5-Faktor-Modells bereinigt und auf die Volatilität der Industry-Momentum-Strategie adjustiert. Zeitraum: 1963-2016.

 

Fazit

Die verschiedenen bekannten Faktorprämien weisen einen kurzfristigen Momentum-Effekt auf.

 

Quelle: Arnott, R. / Clements, M. / Kalesnik, V. / Linnainmaay, J. (2018), Factor Momentum, Research Affiliates & University of Southern California and NBER

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