Highlights meiner Rundreise auf Hawaii: Big Island

Reise Highlights Big Island Hawaii

 

27. September 2016. Heute geht’s los. Lange habe ich auf diese Reise hin geplant: Von der Trainings-Radreise nach Neuseeland über das Trainingslager in Spanien, die Hawaii-Quali in Südafrika und das Vorbereitungsrennen in Österreich, um nur die wichtigsten Stationen zu nennen. Tja, und jetzt ist es soweit!

Den Flug hatte ich schon im Mai gebucht. 1000 Euro hin und zurück (inklusive Radtransport, wie sich später herausstellte). Es geht über die alternative Route, mit Asiana Airlines von Frankfurt über Incheon (Südkorea) nach Honolulu und Anschlussflug mit Island Air nach Kona. Die Reise dauert etwas länger als die Standard-Route über das US-Festland, ist aber deutlich günstiger.

Morgens am Abreisetag kommt Michaela auf einen Abschieds-Kaffee vorbei. Eine Woche später werden wir uns wiedersehen – auf Hawaii. Dann mache ich noch schnell einen (unnötigen) Trade, den ich wenige Minuten vor Abreise mit Verlust schließen muss. Selbst schuld. Ab ins Taxi zum Bahnhof, Zug nach Frankfurt und dort noch für knapp 3 Stunden mit dem Notebook ins Starbucks. Die frühe Fahrt ist Absicht, um noch ein paar Sachen abarbeiten zu können, die zu Hause ständig liegen bleiben. Und man verpasst auch nie einen Flug, denn so viel Verspätung hat nicht mal die Bahn.

Auf dem Flug nach Incheon das gleiche Spiel: Arbeit am Notebook solange wie möglich. Man glaubt kaum, wie produktiv das sein kann. Aber klar, Filme müssen auch sein, schließlich bin ich mehr als 10 Stunden in der Luft. Ich schaue „Gods of Egypt“ und das letzte Stück von „Me Before You“, was wir die Woche zuvor spät abends nicht mehr bis zum Ende geschafft hatten.

 

1. Tag: Flug nach Kona

In Incheon habe ich etwa 8 Stunden Stopover. Das kommt wie gelegen: Denn dort am Flughafen gibt es kostenlose Touren mit Guide raus in die Stadt, die man einfach mitmachen kann. Sensationell! Ab in den Tourbus und los geht’s zum Buddha Tempel (Heungryunsa) und zum Memorial der Incheon Landing Operation, einem Denkmal zum Koreakrieg. Ein paar Stunden später schaue ich mir noch eine Tanzshow im Flughafen an, die auf der großen Bühne dort stattfindet. Kostenfreies WLAN, Ladestationen und Trinkwasser gibt’s auch überall. Insgesamt bester Flughafen in Sachen Service und Angebote, den ich bisher gesehen habe. Das Sahnehäubchen ist eine Brezel bei Auntie Anne’s am Gate 32, die einfach unfassbar gut schmeckt!

Dann der Flug nach Honolulu. Hier mache ich zum ersten Mal in meinem Leben eine „Zeitreise“: Abflug Mittwoch abends, Ankunft Mittwoch vormittags! Die rund 9 Stunden Flug sind diesmal etwas unproduktiver, da ich nach wie vor noch nicht geschlafen habe. Angekommen in Honolulu eine lange Schlange am Einreiseschalter. Und ein unerwartet langer Fußmarsch zum Checkin von Island Air mitsamt Rad und Gepäck (und etwas Zeitdruck). Puh, kaum angekommen und schon zum ersten Mal richtig geschwitzt auf Hawaii.

Statt Honolulu kann ich leider vom Flieger aus nur das Meer sehen. Falsche Seite erwischt (rechts). Dann Ankunft in Kona. Hier fühlt es sich gleich nochmal etwas heißer an. Mit dem Shuttle-Bus geht’s zur Autovermietung. Top Service, man muss fast keinen Schritt laufen. Analog später auf Maui und Oahu. Wir haben die Autos für alle 3 Inseln vorab  über rentalcars.com bei Thrifty gebucht, das waren die besten Deals. Dann noch eine Schrecksekunde: Ich vergesse meine Reisetasche im Shuttle. Wohl wegen Jetlag und Schlafmangel. Zum Glück noch rechtzeitig gemerkt und eine halbe Stunde später wiederbekommen…

Angekommen in Kona erledige ich gleich das Wichtigste: Geld holen, Einkaufen, Prepaid-SIM-Karte besorgen. Der beste Deal für die SIM ist AT&T für 25 Cent pro Minute mit 10 Dollar Mindest-Anfangsguthaben (später holen wir eine zweite Karte und können so untereinander telefonieren). Dann Checkin im Koa Wood Hale Hostel, das hervorragend zentral in Kona liegt und noch schnell runter zum Meer für eine kurze Schwimmrunde. Geniale Wassertemperatur und überall bunte Fische. Sensationell! Dann zurück zum Hostel und meine Zimmerkollegen kennenlernen – zwei Neuseeländer, Alex und Cameron, die für die XTERRA-WM auf Maui trainieren. Dann werde ich schlagartig müde. Was für ein langer Tag, wenn man über die Datumsgrenze fliegt. Gute Nacht!

 

2. Tag: Radstrecke nach Hawi

Leichtes Jetlag, schon um 5 Uhr wach. Ich baue das Rad vor der Tür draußen zusammen und werde in diesen 20 Minuten etwa 20 Mal von Moskitos gestochen… Nicht gerade ein netter Empfang. Nach dem Frühstück ist geplant, die gesamte Radstrecke des Rennens bis Hawi abzufahren. In Kona pumpe ich noch schnell bei einem mobilen Radservice die Reifen auf. Diesmal habe ich nicht extra eine große Pumpe mit auf die Reise genommen, da beim Rennen oft unzählige davon rumstehen. Und dann fahre ich los. Oder doch nicht?! Zack, nach 10 km einen fetten Platten, sogar der Mantel ist hinüber. Auf dem Highway liegt überall Glas und sonstiger Dreck am Seitenstreifen, so ein Mist!

Also per Anhalter zurück nach Kona zum Radladen. Zwei Pannenschutz-Reifen drauf und neue Schläuche, insgesamt 150 Dollar. Leider montiert der Kollege im Radladen einen der Latex-Schläuche nicht richtig und der Reifen ist schnell wieder platt. Also nochmal zurück und neu drauf. Dann mit ordentlich Verspätung endlich los. Unterwegs ist Wind wie Sau (ein Vorgeschmack auf das Rennen eine Woche später). Und es ist heiß. Schon nach 60 km halte ich an einer Tankstelle, da meine 3 Trinkflaschen leer sind. Kaum bin ich in Hawi, ist der andere Reifen platt – ebenfalls beschädigt bei der Montage. Nie wieder Latex-Schläuche von anderen montieren lassen, das mache ich ab jetzt immer selbst! Zum Glück habe ich noch einen normalen Ersatzschlauch dabei.

 

Gecko Hawi Big Island Hawaii

Dieser Gecko in Hawi hat perfekt still gehalten, sodass ich ihn fotografieren konnte. Das Bild ist gedreht, er hing senkrecht an einer Hausecke.

 

Trotz all der Pannen sollte die Zeit für die geplante Runde reichen. Von Hawi fahre ich über die Berge am Rand der Pu’u O Umi Natural Area Reserve auf rund 1200 Meter hoch und dann runter nach Waimea. Auf der Abfahrt weht ein brutaler Seitenwind, sodass ich auf 10-15 km/h runterbremsen muss, damit es mich nicht von der Straße fegt. Irre!

Unten im Ort gibt es einen Wasserautomaten. Hier kann ich die Trinkflaschen günstig auffüllen. Eine Gallone (knapp 4 Liter) Trinkwasser für 30 Cent. Auf diese unschlagbar günstige Art der Wasserbeschaffung werden wir in den nächsten Wochen noch häufig zurückkommen. Die Einheimischen fahren gleich mit mehreren 5-Gallonen-Behältern zu diesen Automaten und füllen Wasser für viele Tage ab. Man kann zwar auf Hawaii – anders als in den meisten Ecken der USA – theoretisch auch das Leitungswasser trinken, aber wirklich gut ist es auch nicht.

 

Triathlon Rad Training Big Island Hawaii

Die letzte große Radrunde vor dem Rennen. Hier ein kurzer Stopp mit super Aussicht auf dem Inlands-Rückweg nach Kona.

 

Der Rest der Strecke ist spitze. Endlich habe ich mal Rückenwind, und zwar ordentlich! 50 km/h im Flachen. Ratz fatz bin ich zurück in Kona. Insgesamt waren es 200 km mit rund 2200 Höhenmetern. Die letzte große Trainingseinheit vor dem Rennen. Dabei habe ich in der Hitze stolze 8 Liter getrunken, ohne auch nur einmal pinkeln zu gehen. Zurück im Hostel ist gerade Edwin aus Caracas (Venezuela) angereist. Er hat sich auch für das Ironman-Rennen qualifiziert. Top 4er Zimmerbesetzung also, Sportler unter sich. Könnte nicht besser sein!

 

3. Tag: Lockeres Training

Erstmal richtig ausschlafen. Die lange Radrunde am Vortag war super, um das Jetlag wegzustrampeln. Trotz 12 Stunden Zeitverschiebung habe ich kaum etwas davon gemerkt, echt klasse. Dann eine lockere Schwimmrunde im Meer mit Cameron und Alex. Anschließend langes Frühstück und quatschen mit den anderen im Hostel. Zwei Kanadierinnen machen mir das Manta Ray Snorkeling schmackhaft und erklären den Zugang zur Lava am Vulkan – mehr dazu später. Wenn man allein reist, sind Hostels einfach ideal, um Leute kennenzulernen, gemeinsame Touren zu machen und gute Tipps zu bekommen. Und noch dazu ist es günstig. Selbst auf Hawaii kostet eine Nacht im 4er oder 6er Zimmer nur zwischen 30 und 40 Dollar, manchmal sogar mit Kaffee und Toast zum Frühstück inklusive.

Nach einem kurzen Stadtrundgang steht nochmal eine Radeinheit auf dem Programm. Auch heute ist es wieder ziemlich heiß. Es geht Richtung Süden, den Alii Drive runter durch Kona nach Captain Cook. Dort rechts den Berg runter, die Schleife über Keokea und auf dem Highway zurück. Zum ersten Mal überhaupt muss ich absteigen und das Rad schieben – am Anstieg nach Captain Cook an einer brutalen Rampe im Ort. Keine Chance, da hochzufahren (außer vielleicht im Zick Zack). Obwohl die Runde keine 80 km lang ist, reichen 3 Trinkflaschen nicht aus und ich muss an einer Tankstelle nachfüllen.

 

4. Tag: Checkin ins AirBnB in Kona

Früh morgens ist heute das offizielle Testschwimmen auf der Ironman-Strecke über die vollen 3,8 km. Edwin, Alex und Cameron aus meinem Zimmer sind auch dabei. Man sollte solche Tests vor dem Wettkampf immer mitmachen, um mögliche Probleme zu erkennen und Lösungen zu finden. Beim Rennen in Neuseeland hatte ich das nicht gemacht und dann im Wettkampf so einige Schwierigkeiten.

Und so wäre es auch diesmal wieder gewesen. Zur Orientierung, wo die Bojen sind, ist die Testrunde perfekt geeignet. Zudem spüre ich schon nach rund 500 Metern, wie der Wettkampfanzug im Nacken und unter den Armen zu reiben beginnt. So würde das nicht funktionieren. Ich ziehe ihn im Wasser bis zur Hüfte aus und stopfte das Oberteil und die Armstücke in die verbleibende „Schwimmhose“. Jetzt fühlt es sich deutlich besser an. So werde ich dann auch im Rennen starten. Zwar nicht gerade die schnellste Lösung, da es etwas mehr Wasserwiderstand ist und ich den nassen Anzug vor dem Radfahren erst wieder vollständig anziehen muss. Aber zumindest kann ich so relativ problemlos schwimmen.

Im Ziel angekommen gibt es frisches Obst und sogar eine Medaille und ein T-Shirt. Nicht schlecht! Kurz darauf heißt es bereits Checkout im Hostel. Ich setze mich für einige Stunden ins Starbucks und arbeite am Notebook. Dort hole ich mir beinahe eine Erkältung – die Klimaanlage ist auf „saukalt“ eingestellt, sodass ich mit Jacke und Mütze drin hocke. Am Nachmittag dann Checkin bei der Unterkunft für die nächsten 3 Nächte, „Lea’s Place“ etwas außerhalb von Kona in einer Wohnsiedlung.

Ich versuche kurz, joggen zu gehen, aber muss nach wenigen Metern abbrechen. Noch immer schmerzt die Hüfte vom Marathon in Eibenstock. Kein gutes Zeichen. Schon mehr als 2 Wochen ohne Lauftraining, aber das lässt sich leider nicht ändern. Dann fahre ich zum Target-Supermarkt, um Proviant für die nächsten Tage einzukaufen. Und am späten Abend ist es soweit: Ich hole meine Eltern und meine Schwester vom Flughafen ab. Ab jetzt sind wir zusammen unterwegs.

 

5. Tag: Easy Day in Kona

Erstmal heißt es, zeitig aufzustehen. Denn noch jemand wollte gern vom Flughafen abgeholt werden. Wiedersehen mit Michaela auf der anderen Seite der Welt nach dem Kaffee letzte Woche morgens in Würzburg. Wir lassen den Tag ruhig angehen. Vormittags fahren wir ein bisschen durch die Gegend und einen Berg bis auf 1550 Meter hoch. Leider hängen die Wolken tief, sodass es keine wirklich gute Aussicht gibt. Bergab wird es Micha aufgrund meiner etwas rasanten Kurvenfahrt schlecht, sodass wir einen Stopp einlegen müssen.

 

Alii Drive Kona Ironman Ziel Big Island Hawaii

Dies ist der zentrale Teil des Alii Drive in Kona. An dieser Stelle ist der Zieleinlauf beim Ironman Hawaii. Hinten links sieht man das King Kamehameha Wettkampfhotel.

 

Dann geht es direkt nach Kona. Wir parken neben dem Starbucks (guter Tipp für kostenfreie Parkplätze) und gehen zur Kailua Bay, wo auch der Schwimmstart des Rennens ist. Eine Runde ins Wasser, Fische anschauen und am Strand chillen. Leider laufe ich zu lange ohne T-Shirt herum und fange mir trotz Sonnencreme einen Sonnenbrand ein.

 

Kailua Bay Kona Schwimmen Ironman Big Island Hawaii

Blick auf die Kailua Bay in Kona. In dieser Bucht ist der Schwimmstart des Ironman Hawaii.

 

6. Tag: Radtour nach Süden

Nach einem langen Frühstück steht heute nochmal eine Radeinheit auf dem Programm. Die letzte vor dem Rennen – endlich, denn ich bin echt trainingsmüde! Ich fahre 55 km auf dem Highway nach Süden und die gleiche Strecke wieder zurück. Klingt langweilig, aber es lässt sich gut fahren. Wellige Strecke mit vielen Kurven. Früher als geplant komme ich zurück. Zum Glück ist Heidi, unser AirBnB-Host, zu Hause und lässt mich rein. Den Schlüssel haben nämlich die anderen mitgenommen. Sie sind baden gefahren und erzählen später, dass es Schildkröten und Delfine zu sehen gab. So ein Mist, da wäre ich auch gern dabei gewesen!

Abends dann noch ein Highlight: Schnorcheln mit Manta Rays. Das hatten wir tags zuvor in Kona als Tour gebucht. Wir sind zu dritt: Micha, meine Schwester Julia und ich. Es ist eine coole schnelle Bootsfahrt zur Bucht, zusammen mit etwa 15 anderen Teilnehmern. Wir kommen kurz nach Einbruch der Dunkelheit an. Das Besondere: Die mehrere hundert Kilo schweren Manta Rays werden durch Lichter an der Unterseite der eigens konstruierten Boards angezogen. Die Tiere haben gelernt, dass dieses Licht gleichbedeutend mit Nahrung ist – denn ihre Nahrungsquelle, das Plankton, wird ebenfalls durch Licht angezogen. Auf diese Weise bietet sich ein fantastisches Spektakel, wenn die Mantas mit ihrer Spannweite von mehr als 2 Metern und dem riesigen offenen Maul wenige Zentimeter an unseren Köpfen vorbeischweben. Wir halten uns dabei die ganze Zeit an den Boards fest, unter denen die Tiere auf und ab tauchen.

 

Manta Ray Schnorcheln Kona Big Island Hawaii

Einer von 3 Mantas, die wir gesehen haben. Sie kamen noch viel näher und man konnte ihnen tief ins Maul schauen, aber davon hab ich leider kein gutes Bild hinbekommen.

 

Kona ist der einzige Ort weltweit, wo man das erleben kann. Die Manta Rays sind – anders als beispielsweise Stingrays – völlig „unbewaffnet“ und daher nicht gefährlich. Auch wenn sie zugegebenermaßen ganz schön bedrohlich aussehen!

 

7. Tag: Fahrt nach Hilo

Heute ist Reisetag. Es geht auf die Ostseite von Big Island zu unserer nächsten Unterkunft. Mit Heidi mache ich aus, dass die Radkiste bei ihr in der Garage stehen bleiben kann, bis wir 2 Tage später wieder in der Nähe sind. Danke! Ins Auto passt nämlich geradeso nur unser normales Gepäck.

Vor der Abfahrt hole ich noch die Startunterlagen ab. Ganze 4 Tage vor dem Rennen, so früh hatte ich die Sachen bei noch keinem Wettkampf. Dann geht’s los, nächster Halt ist die Besucherstation am Mauna Kea auf knapp 3000 Metern Höhe. Der Berg ist vom Meeresboden gemessen mit über 10 km der höchste der Welt. Wenn man berücksichtigt, dass er wegen seines hohen Gewichts zudem in den Meeresboden eingesunken ist, hat er insgesamt eine Höhe von über 17 km! Aus dem Wasser ragen zwar „nur“ rund 4,2 km, aber das ist immer noch mächtig hoch für eine Insel. Leider können wir nicht bis nach oben fahren, dafür braucht man ein Auto mit Allradantrieb.

Nach einem kurzen Fußmarsch in luftiger Höhe geht’s weiter. Immer mehr Wolken ziehen auf und es beginnt zu regnen – bis abends. Wir machen einen Stopp an den Rainbow Falls. Da noch Zeit ist, fahren wir etwas nach Norden und finden eine schöne Scenic Route, auf der wir an einem tollen Obststand halten und erstmal ein paar Papayas verschlingen. Dann geht es weiter bis zum Parkplatz bei den Akaka Falls, wo dann aber die Zeit nicht mehr reicht, um den Trail zu laufen. Auf dem Rückweg ein weiterer Obststand, wo es super günstig Papayas, Avocados und Bananen gibt – und zack, eine große Tüte eingekauft!

Von Hilo aus fahren wir nach Süden. Hier ist viel Verkehr und wir stehen erstmals im Stau. Im Halbdunkel erreichen wir den Hawaiian Paradise Park, wo wir ein bisschen nach der Einfahrt zu unserer Unterkunft suchen müssen. Es ist ein klasse AirBnB, wir haben das ganze Haus für uns. An der Einfahrt stehen große Kokosnussbäume sowie ein Strauch mit unzähligen prallen, reifen Sternfrüchten. Lecker! Die ganze Region ist von der Vegetation her ein ziemlicher Urwald, da es viel mehr Regen gibt als an der Westküste in Kona. Nur das Einschlafen ist ohne Ohrenstöpsel etwas schwierig, denn die unzähligen Frösche quaken draußen stundenlang unfassbar laut!

 

8. Tag: Volcano National Park

Nachts wache ich ein paarmal auf, weil es ins Bett regnet. Aber egal, offenes Fenster muss sein, denn wir haben diesmal keinen Ventilator. Morgens sind die Frösche still, aber dafür zwitschern unzählige Vögel um die Wette. Echt verrückte Geräusche hier!

Nach dem Frühstück fahren wir hoch zum National Park. Alles hängt in Wolken und es regnet. Aber das muss nichts heißen, schließlich ist die Einfahrt auf rund 1200 Metern Höhe. Stück für Stück eght es im Park die lange Straße runter Richtung Meer. Wir machen unterwegs viele Stopps an alten Kratern und Lavafeldern. Je weiter es nach unten geht, desto besser wird das Wetter.

Wir parken ganz am Ende der Straße beim Aussichtspunkt „Sea Arch“. Schon von hier können wir die riesige Dampfwolke an der Stelle sehen, wo die Lava ins Meer fließt. Ab jetzt geht es zu Fuß weiter auf einer Schotterpiste. Nach 6 km biegen wir links ab und laufen die letzten 1,5 km über erkaltete Lava. Dabei bläst uns eine zeitlang ein unangenehmer (mehr oder weniger giftiger) Schwefeldioxid-Qualm entgegen. Wir müssen ein paarmal husten. Aber gut, ein paar andere laufen ja auch diesen Weg, wird schon passen. Dennoch ziehen wir zur Sicherheit unsere T-Shirts aus und binden sie um Mund und Nase.

 

Sea Arch Volcano National Park Lava Big Island Hawaii

Die Sea Arch, ein Lava-Gebilde im tosenden Meer.

 

Die wirklich gefährlichen Regionen sind abgesperrt. Anders als sonst springe ich hier nicht hinter der Absperrung herum. Denn in der Lava zu verglühen wäre ein ziemlich dämlicher Tod. In eine der Lavahöhlen können wir direkt hineinschauen – was für ein brutaler Backofen! Auch in einiger Entfernung ist die „erkaltete“ Lava, auf der wir gehen, noch ganz warm. Und aus den Ritzen steigt an einigen Stellen richtig heiße Luft auf.

Näher als ein paar hundert Meter kommt man nicht an die Stelle ran, wo die Lava ins Meer fließt. Außer Dampf sehen wir dort leider nicht viel, da es noch hell ist. Eine Tour bei Nacht ist sicherlich noch beeindruckender. Wir schießen ein paar Fotos und gehen die gleiche Route zum Auto zurück. Ich versuche, die letzten 2 km zu joggen. Doch leider immer noch Schmerzen in der Hüfte – und nur noch 3 Tage bis zum Wettkampf…

 

Lava Meer Ozean Volcano National Park Big Island Hawaii

Das ist die Stelle, an der die Lava ins Meer fließt und die Insel noch immer wachsen lässt.

 

Wir fahren die Straße im Nationalpark wieder bis nach oben. Es wird gerade dunkel und wir biegen zum Aussichtspunkt am Kilauea Krater ab. Dort ist Lava drin, die den Krater im Dunkeln schön leuchten lässt. Allerdings ist es dort auch ziemlich kalt und regnerisch, sodass wir nur kurz bleiben. Da niemand mehr Lust auf Kochen hat, fahren wir auf dem Rückweg kurzerhand bei Subway vorbei – gesund und günstig. Und anders als in Deutschland sind die Subs hier wirklich üppig belegt, sodass ich (fast) richtig satt werde.

 

9. Tag: Fahrt nach Captain Cook

Schon wieder Reisetag. Wir fahren früh kurz runter ans Meer. Aber kein Strand dort, nur Steilküste. Nach dem Checkout noch ein Abstecher nach Pahoa zum Lava Tree State Monument Park, bevor es Richtung Westen geht. Oben am Highway biegen wir auf eine kleine, einspurige Straße ab, die bis auf rund 2000 Meter zum Mauna Loa nach oben führt. Auch dieser Berg ist mehr als 4000 Meter hoch, sodass wir gerade mal auf halber Höhe ankommen. Die Aussicht ist wegen der Wolken leider nicht so gut, aber einen Versuch war es wert.

Der nächste Stopp ist unten am Meer im Panaluu County Beach Park. Dort gibt es schwarzen Sand, aber das Wasser ist überraschend kühl. Also gleich weiter. Wir stellen fest, dass wir beim Checkout ein paar Sachen im Kühlschrank vergessen haben. Mist.

Weiter geht’s zum South Point. Hier gibt es einen bekannten Cliff Dive, eine knapp 10 Meter hohe Klippe zum Sprung ins Meer. Wie immer natürlich offiziell nicht erlaubt, aber immerhin hängt eine Leiter runter ins Wasser zum Hochklettern. Also springe ich einfach mal. Kurz darauf springt auch Julia – super, hätte ich nicht gedacht, echt mutig! Die anderen schauen lieber nur zu (und machen sich unnötig Sorgen, dass etwas passieren könnte). Kurz darauf noch ein spontaner Stopp an einer Macadamia-Nussfarm. Dort probieren wir alle möglichen Sorten aus und kaufen 2 Tüten, obwohl es etwas überteuert ist.

 

Cliff Dive South Point Big Island Hawaii

So sieht der Cliff Dive von oben aus.

 

Sprung Cliff Dive South Point Big Island Hawaii

Hier springe ich gerade vom Cliff Dive am South Point.

 

Knapp eine Stunde später sind wir am Ziel. Einchecken in unserem AirBnB, dem Paikapahu House in Captain Cook. Dummerweise ist die Milch, die wir mitgenommen haben, im Koffer ausgelaufen. Sauerei! Wir kaufen ein paar Sachen im überteuerten Choice Mart nach, die wir heute Morgen vergessen haben. Dann fahre ich mit Micha nach Kona. Sie schaut ein bisschen durch die Stadt, während ich mir das Welcome Buffet und die Wettkampfbesprechung im Hotel reinziehe. Danach holen wir noch das Rad bei Heidi ab – hat super geklappt, es dort unterzubringen!

 

Welcome Buffet Kona Ironman Big Island Hawaii

Welcome Buffet unter freiem Himmel in Kona. Top Essen, top Programm!

 

10. Tag: Ironman Expo und Bike Checkin

Der Tag vor dem Rennen. Sachen waschen, Wechselbeutel packen und Rad vorbereiten. Dann setzen wir meine Eltern und Julia zum Baden am gemütlichen Napoopoo Beach Park ab. Mit Micha fahre ich nach Kona. Wir schauen uns dort die Expo an und testen ein paar Sachen. Unter anderem einen Kompressionsanzug von NormaTec für Beine und Hüfte, eine Tasse Kona-Kaffee, eine wahnsinnig überteuerte Luxus-Wohlfühl-Matratze (die kein Mensch braucht) sowie einen Refill-Salzstick und – ganz wichtig – ein leckeres Eis.

Nach diesem Rundgang checke ich das Rad ein. Klasse organisiert! Man bekommt einen persönlichen Helfer, der alles genau erklärt und die Wege mit abläuft. Danach fahren wir zurück zum Napoopoo Beach Park, um die anderen abzuholen und noch ein paar schöne Fotos vom Sonnenuntergang zu schießen.

 

Napoopoo Park Sonnenuntergang Big Island Hawaii

Perfektes Setting beim Sonnenuntergang im Napoopoo Park.

 

11. Tag: Ironman Hawaii

Zum Rennen habe ich hier einen eigenen Beitrag geschrieben.

 

12. Tag: Banquet of Champions

Die Schlaftablette wirkt nur 5-6 Stunden, sodass ich früh aufwache. Als erstes spüre ich, dass Hüfte und Füße schmerzen. Egal, das wird schon wieder. In den nächsten Tagen und Wochen kann ich mich ja erholen. Denn jetzt geht sozusagen der angenehme Teil der Reise los.

Wir fahren zum Schnorcheln zum Napoopoo Park. Mittags dann nochmal nach Kona. Nur Micha möchte lieber eine Wandertour zum Captain Cook Denkmal machen. Abends gehe ich zum Banquet of Champions – zwar fühle ich mich nach dem miserablen Rennen nicht gerade wie ein Champion, aber dennoch muss der Energiespeicher mal wieder richtig mit gutem Essen aufgeladen werden. Im Anschluss ist die Siegerehrung der Altersklassen und Profis. Es ist spät, als wir wieder in der Unterkunft ankommen. Ich packe grob die Sachen für die morgige Abreise und dann geht’s ab ins Bett. Doch auch heute braucht es nochmal eine Schlaftablette, der Körper ist immer noch nicht ganz im Normalzustand.

 

13. Tag: Flug nach Maui

Das Rad passt nach wie vor nicht ins Auto. Also muss ich damit zum Flughafen fahren und es dort in die Radkiste packen. Der Plan geht auf, ich bin sogar schneller als geplant. Denn jetzt nach dem Rennen, wo es nicht mehr drauf ankommt, ist natürlich Rückenwind…

Beim Checkin für den Flug dann die Überraschung: Meine Radkiste passt nicht in den Flieger. Wir haben den Flug mit Mokulele Airlines gebucht. Es ist ein kleiner Propellerflieger mit nur 9 Passagiersitzen und Mini-Gepäckraum.

 

Mokulele Airlines Big Island Maui Hawaii

Unser Flieger nach Maui. Abenteuerlich!

 

Ich bekomme den Tipp, es per Cargo zu versenden. Also frage ich nebenan bei Aloha Cargo nach. Und siehe da, das ist sogar eine gute Lösung! Ich kann das Rad direkt eine Insel weiter nach Honolulu schicken und muss es nicht mit nach Maui schleppen. Es ist mit knapp 50 Dollar sogar günstiger, als es auf 2 Flügen mitzunehmen (und ich bin die sperrige Kiste auf Maui komplett los). Abholen werde ich das Rad dann 4 Tage später in Honolulu, also am 14. Oktober. Perfekt!

 

Mokulele Big Island Maui Hawaii

Nur 9 Passagiere an Bord. Kein Sicherheitscheck, keine Stewardess, und keine Tür zum Cockpit!

 

Micha und ich fliegen zuerst, die anderen 2 Stunden später. Was für ein cooler Flug, es ist wie in einem Privatjet. Keine (!) Sicherheitskontrolle. Kaum sitzen wir im Flieger, dreht sich der Copilot um und gibt kurz Anweisung, wo die Schwimmwesten sind etc. Ja, keine Tür zwischen Passagieren und den Piloten. Und eine Stewardess gibt es natürlich auch nicht.

 

Lava Big Island Hawaii

Blick aus dem Flieger auf Big Island. Die dunklen Stellen sind alte, noch nicht bewachsene Lava-Flüsse.

 

Und schon ist die Zeit auf Big Island vorbei. Viel mehr hätten wir wohl kaum erleben können. Aber es bleibt nicht viel Zeit zum Nachdenken – denn es stehen 4 Tage Maui auf dem Programm!

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