Highlights meiner Rundreise auf Hawaii: Kauai

Highlights Reise Kauai Hawaii

 

Ich sitze im Flieger nach Kauai. Allein. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn die anderen nach Hause fliegen und man allein weiter reist – im letzten Moment wäre ich am liebsten mitgekommen.

Ich schnappe mir das Bordmagazin. Darin ist ein guter Artikel über die Banyan-Bäume hier auf Hawaii. Das Besondere an ihnen ist, dass ihre einige ihrer „Äste“ nach unten hängen, bis sie den Boden erreichen, um dann festzuwachsen und eine Art neuen Stamm auszubilden. Einige von ihnen können zu Monstern mit unzähligen Stämmen heranwachsen – im Extremfall mehr als 1000! Dabei gibt es eine indische und eine chinesische Art der Banyans. Beide wurden von Menschen nach Hawaii gebracht, aber nur für die chinesische Art haben sich adäquate Bestäuber hier angesiedelt, damit sie sich von allein vermehren können.

Kaum habe ich zu Ende gelesen, landen wir auch schon. Als ich aus dem Flughafen rausgehe, kommt gerade ein Shuttle-Bus und ich springe schnell auf. Die Busfahrer sind total nett und hilfsbereit. Für günstige 50 Cent geht die Fahrt ins Zentrum von Lihue, wo ich einen anderen Bus für 2 Dollar bis nach Kapa’a nehme. Direkt vor dem Kauai Beach House Hostel, wo ich die nächsten 8 Tage verbringe, ist eine Haltestelle – perfekt!

Ich checke ein und quatsche kurz mit ein paar anderen dort. Es sind überraschend viele Deutsche und Schweizer hier, hätte ich nicht erwartet. Dann ein kleiner Rundgang durch den Ort, wo mir winkende Leute mit Wahlplakaten am Straßenrand auffallen. Verrückt, die Amis, sogar hier auf Hawaii. Ich gehe am Farmers Market vorbei und kaufe erstmal eine ordentliche Ladung Papayas, Avocados, Bananen und Sternfrüchte. Dann noch ein paar Sachen im Big Save Supermarkt kaufen. Das alles sollte jetzt ein paar Tage reichen, selbst für einen Vielfraß wie mich.

Abends im Hostel sitzen wir in einer entspannten Runde zusammen. Einer der Mitarbeiter fährt eine Schubkarre voller Kokosnüsse herbei – und jeder kann so viel davon essen, wie er möchte. Grandioser Abschluss für den Tag! Jetzt ist auch das mulmige Gefühl vom Flug verschwunden und ich freue mich, nicht nach Hause geflogen zu sein.

 

1. Tag: Easy Day

Heute ist mal ein echter Ruhetag. Der erste auf Hawaii, wenn ich mich recht erinnere. Ausschlafen, langes Frühstück, Arbeit am Notebook. Dabei rennen die Hühner um mich herum, die hier im Hostel zu wohnen scheinen. Zwischendurch scharren sie wie verrückt in den Pflanzenkübeln.

 

Kapaa Beach House Hostel Hühner Kauai Hawaii

Hier sieht man eines der Hühner, die den ganzen Tag unten herumrennen

 

Ich frage nach, was es damit auf sich hat. Die Antwort: Beim letzten verheerenden Hurrikan im Jahr 1992 wurden viele Käfige weggeweht. So konnten jede Menge Hühner in den Dschungel fliehen und sich dort unkontrolliert vermehren, da sie hier keine natürlichen Feinde haben. Später trugen dann die Touristen durch Füttern der Tiere dazu bei, dass die Hühner heute eine Art „Wahrzeichen“ der Insel sind.

Gegen Mittag treffe ich Torsten im Hostel. Er ist aus Frankfurt und kommt schon seit Jahren zum Surfen nach Hawaii. Er erzählt von seinem Projekt, einer Software für Mitarbeiter-Feedback. Immer wieder interessant, auf welche Leute man trifft und was für Ideen sie haben. Ich habe das Gefühl, dass man durch Reisen am meisten lernt, welche Möglichkeiten es im Leben überhaupt so gibt.

Am Nachmittag schlendere ich noch ein bisschen durch Kapa’a. Dabei komme ich am chaotischen Watever Thrift Store vorbei. Die Leute dort machen aber einen freundlichen Eindruck und wir kommen ins Gespräch. Dabei fällt mir ein Fahrrad auf, das am Rand herumsteht – ich frage, ob man es mieten kann. Spontan bietet mir der Inhaber des Geschäfts eine Woche Miete für 25 Dollar an. Ein super Deal, ich sage sofort zu. In einem normalen Radladen im Ort zahlt man dafür locker 100 Dollar.

 

2. Tag: Kuilau Ridge Trail mit dem Rad

Heute steht ein erster kleiner Ausflug auf dem Programm. Mit dem Rad fahre ich die Straße zum Kuilau Ridge Trail hoch. Anfangs geht es dort über Gras, doch der Weg wird immer matschiger.

 

Kuilau Ridge Trail Kauai Hawaii

Blick in Richtung der naturbelassenen Inselmitte.

 

Irgendwann muss ich absteigen, weil es zu holprig und rutschig wird. Als ich wieder auf einer asphaltierten Straße ankomme, ist das Rad bereits total verdreckt vom „Red Dirt“. Dieser ist über die Verwitterung und Oxidation des Eisenanteils im Lavaboden entstanden. Überall auf der Insel ist dieser Dreck anzutreffen, und ich werde mir noch so einige meiner Klamotten damit versauen.

 

Huhn Hühner Touristen füttern Kauai Hawaii

Klar, dass hier so viele Hühner leben, wenn sie von den Touristen (rechts im Bild) gefüttert werden

 

Auf dem Rückweg halte ich am Lydgate State Park. An der schmalen, flachen Mündung des Wailua River sehe ich eine Schildkröte, die sich ganz knapp unter der Wasseroberfläche in aller Ruhe ins Meer treiben lässt. Dann fahre ich weiter zum Farmers Market in Kealia, um nochmal leckeres Obst nachzukaufen. Einige Leute dort finden mein T-Shirt gut und sprechen mich darauf an: „Not All Who Wander Are Lost“. Genauso schaut’s aus!

Im Hostel setze ich mich noch eine Weile ans Notebook. In den Tagen, als wir zu fünft unterwegs waren, ist einiges liegen geblieben, was ich nun aufholen kann. Außerdem habe ich ein super „Büro“ zum Arbeiten gefunden, auf der Dachterrasse des Hostels. Hier weht immer ein guter Wind, der es sehr angenehm macht, und ein Teil ist überdacht als Schutz gegen die Sonne.

 

Kapaa Beach House Hostel Dach Kauai Hawaii

Blick von der Dachterrasse des Hostels

 

Dann finde ich noch eine besondere Banknote in meinem Wechselgeld: Einen 1-Dollar-Schein mit dem Aufdruck „www.wheresgeorge.com„. Ich gehe auf die Seite und finde heraus, dass es sich um ein Tracking-Experiment handelt. Also gebe ich die Seriennummer ein, um herauszufinden, wo der Schein zuletzt registriert wurde. Das Ergebnis: Kansas. Witzige Aktion!

 

3. Tag: Kalalau Trail

Es wird Zeit, mal etwas zu unternehmen, bevor zu viele Tage hier verstreichen. Ich mache mit Stevie (aus Texas), Brad (Polen) und Britta (Frankfurt) aus, dass wir zusammen den Kalalau Trail gehen. Stevie hat ein Auto, mit dem wir gemütlich eine Stunde bis zum Parkplatz am Ke’e Beach fahren.

Der Trail beginnt mit Treppen, wird dann aber matschig. Britta ist nicht so fit und möchte in ihrem Tempo allein weiter gehen. Wir sind also nur noch zu dritt.

 

Kalalau Trail Na Pali Coast Kauai Hawaii

Hier sind wir gerade etwa 1 km weit gegangen

 

Nach 2 km durchqueren wir einen kleinen Fluss. Anschließend machen wir eine Pause am Hanakapi’ai Beach. Der Weg teilt sich hier, aber die Route zum Wasserfall erscheint eher langweilig. Also gehen wir den Trail an der Küste weiter.

 

Kalalau Trail Fluss Kauai Hawaii

Flussdurchquerung. Schwierigkeitsgrad je nachdem, wie hoch das Wasser ist

 

Hanakapiai Beach Kalalau Trail Na Pali Coast Kauai Hawaii

Der Hanakapi’ai Beach direkt nach der Flussdurchquerung. Bis hier gehen die meisten Touristen und drehen dann um.

 

Von nun an sind wir ziemlich allein unterwegs. Die meisten Touristen gehen den Trail nicht so weit, und das macht die Wanderung gleich viel ruhiger und angenehmer. Immer wieder halten wir kurz an, um die Aussicht zu genießen. Wir sehen auch eine ziemlich große Spinne, bei deren Anblick es mir ein bisschen mulmig wird. Ab und zu gibt es einen kurzen Regenschauer, der aber nach wenigen Minuten wieder aufhört – kein Problem.

 

Kalalau Trail Spinne Na Pali Coast Kauai Hawaii

Riesige Spinne an der Toiletten-Hütte. Man kann sogar die kleine Baby-Spinne sehen.

 

Nach insgesamt rund 10 km machen wir eine längere Pause. Dort entscheiden wir uns, wieder umzukehren. Den ganzen Trail – rund 35 km insgesamt hin und zurück – schafft man nur dann an einem Tag, wenn man zeitig morgens losgeht und ein hohes Tempo durchhält.

 

Kalalau Trail Na Pali Coast Kauai Hawaii

Ausblick auf die Na Pali Coast von einem großen Felsen am Wegesrand

 

Beim Wandern quatschen wir drei die ganze Zeit. Ich erfahre von Stevie, dass Texas früher mal ein eigenes Land war und es vielleicht auch heute gern noch wäre. Und Brad erzählt uns ausführlich, wie er rund um die Welt günstige Flüge findet und clever Bonusmeilen sammelt und einsetzt – das scheint er echt drauf zu haben! Zurück zu Hause werde ich mich mal genauer damit beschäftigen.

Später wird der sonst so gesprächige Brad ganz ruhig. Das Problem: Er hatte (so wie auch Stevie) nichts zu essen mitgenommen. Ein zwei Riegel kann ich jedem der beiden abgeben, aber nun ist alles aufgebraucht. Dann treffen wir zwei andere aus dem Hostel, die noch Proviant dabei haben. Zu fünft gehen wir bis zum Parkplatz – und stellen fest, dass Stevie’s Auto nicht anspringt. Wir fahren erstmal nach Hanalei und essen jeder einen dicken Burrito. Dann geben uns die anderen Starthilfe fürs Auto – nochmal Glück gehabt!

 

4. Tag: Blue Hole

Heute ist der ganz große Tag! Ich nehme mir vor, den Trail zum Blue Hole zu gehen. Offiziell gibt es den gar nicht, aber im Internet konnte ich eine Wegbeschreibung finden. Und so, wie es aussieht, lohnt es sich – die Fotos auf Google sind einfach atemberaubend! Das wird sicher ein ziemliches Abenteuer.

Kurz nach 7 Uhr fahre ich mit dem Rad los. Erstmal die Kuamoo Road hoch und dann immer kleinere Straßen und Wege Richtung Gebirge. Ein Fluss läuft über die Straße, dann ein zweiter. An der dritten Wasserdurchfahrt wird es mir mulmig: Einige riesige Pfütze mit braunem Wasser, bei der man nicht sieht, wie tief sie ist. Kaum bleibe ich stehen, stechen mich auch schon die Moskitos. Ich denke kurz daran, umzukehren.

 

Blue Hole Trail Überschwemmung Kauai Hawaii

Augen zu und durch. Oder nein, lieber Augen auf und durch!

 

Aber nein, einen Versuch ist es wert. Ich schiebe das Rad vor mir her durchs Wasser, um zu sehen, wie tief es wird. Langsam erreiche ich die Mitte, die Brühe ist jetzt knietief. Alles halb so wild – ich gehe durch. Und weiter auf der Matschpiste. Die Schlaglöcher werden immer tiefer, das Rad ist bereits komplett verdreckt. Ab und zu muss ich absteigen und schieben. Egal, es geht voran, und ich bin auf dem richtigen Weg.

Plötzlich springt ein kleiner Hund aus dem Gebüsch. Ich bekomme einen kurzen Schreck, aber nichts passiert. Er rennt einfach neben mir her. Scheinbar gehört er zu einem Jäger, der gerade hier im Wald unterwegs ist. Ein Stück später endet die Straße und ich schließe das Rad an einen Baum an. Ab hier geht es zu Fuß weiter – und ohne meinen vierbeinigen Freund, der wieder umdreht und zurückläuft.

 

Blue Hole Trail Kauai Hawaii

Hier ist endgültig Ende für Allrad-Autos und mein Fahrrad. Rechts im Dschungel beginnt der Trail.

 

Ab jetzt wird es wirklich schwierig. Schon zu Beginn ist der Trail verwinkelt und matschig. Dann klettere ich über umgestürzte Bäume oder krabble unter ihnen hindurch, stapfe durch knöcheltiefen Morast und durchquere mehrmals den Fluss mit seinen schlüpfrigen Steinen, auf denen man ratz fatz ausrutschen kann – und das passiert mir auch, trotz meiner guten Trail-Laufschuhe. Bei einem dieser Stütze verstauche ich mir das Handgelenk ein bisschen, aber nicht allzu schlimm. Dann ein Sturz, wo ich mich mit gestrecktem Arm abfange und die Schulter etwas überdehne. Am besten ist es, die Steine im Fluss auf allen Vieren zu nehmen, um ohne Ausrutschen und Verletzung durchzukommen.

 

Blue Hole Trail Matsch Schlamm Kauai Hawaii

Der Trail ist zum Teil eine ziemliche Matschpiste

 

Es gibt aber noch andere Probleme: Manchmal hören plötzlich die orangefarbenen Markierungen auf, die den Trail kennzeichnen. Dann ist etwas Fantasie gefragt, wie es weitergehen könnte und wo der Weg verläuft. Ein paarmal laufe ich ins Dickicht und muss feststellen, dass es nicht weitergeht. Umdrehen, neuen Weg probieren. Das kostet Zeit. Insgesamt komme ich nur etwa 1 km pro Stunde voran. Das ist nicht gerade das Tempo, das ich mir vorgestellt hatte.

Oben kreisen die Helikopter, es kann also nicht mehr weit sein. An einem Wasserfall, der etwa die Hälfte der Strecke markiert, verliere ich fast eine Stunde auf der Suche nach dem weiteren Weg. Nach drei Sackassen und kurz vorm Aufgeben finde ich ihn doch noch. Hier ein Foto von dieser Stelle:

 

Blue Hole Trail Hälfte Halbzeit Wasserfall Sackgasse Markierung Kauai Hawaii

An diesem Wasserfall hat man etwa die Hälfte des Trails geschafft. Man muss unten am Wasserfall vorbei, dann rechts in den Dschungel rein und gleich wieder rechts nach oben klettern. Alle anderen Wege sind Sackgassen

 

Eine halbe Stunde später treffe ich eine Gruppe von 3 Leuten. Es sind die einzigen Menschen, denen ich auf dem gesamten Trail begegne. Sie sagen, dass es noch etwa 1 Stunde bis zum Ende ist und dass ich gut aufpassen soll, wenn ich hier allein unterwegs bin. Wenn etwas passiert, findet mich keine Sau – es gibt nichtmal Handy-Empfang.

Kurz darauf komme ich an einen Zaun. Logischerweise wähle ich erstmal die falsche Richtung und gehe den Berg hoch. Oben angekommen wird es immer sumpfiger. An einer Stelle sacke ich bis zu den Knien im Schlamm ein und habe Mühe, das Bein wieder rauszuziehen. Tja, war eben der falsche Weg, also wieder zurück. Immer wieder bleibe ich an kleinen Ästen und scharfkantigen Blättern hängen, die an den Beinen und Armen scheuern. Zum Glück bleibt es bei kleinen Kratzern. An einigen Stellen sehe ich auch wieder die bunten Eukalyptus-Bäume, die wir schon auf Maui bestaunt hatten.

Es geht jetzt mächtig auf und ab. Zum Teil ziehe ich mich an Wurzeln hoch oder halte mich bergab an ihnen fest. Manchmal verliert sich der Trail, nur um sich wenig später wieder klar zu zeigen. Was für eine Tour, das ist wirklich mal eine echte Herausforderung! In der Ferne sehe ich schon die große Wand, auch „The Wall“ genannt. Eine imposante Steilwand von rund 1000 Metern Höhe, von der unentwegt Wasser nach unten strömt. Denn oben am Berg Wai’ale’ale regnet es praktisch jeden Tag im Jahr – es ist der nach Durchschnittsniederschlag regenreichste Ort der Welt! Diese Konstellation ist es, die das Blue Hole absolut einzigartig macht!

 

Blue Hole Trail Wall Wand Waialeale Kauai Hawaii

Blick ins Blue Hole mit der riesigen Steilwand am Ende. Einfach unfassbar, dass ich wirklich an diesem Ort bin!

 

Die letzten paar Minuten bis zur Wand fühlen sich unglaublich an. Ich kann gar nicht aufhören, nach oben zu schauen, obwohl ich über ziemlich schlüpfrige Steine laufe. Es ist einfach unbeschreiblich, wirklich hier zu sein, an diesem verrückten Ort. Tausend Meter über mir stürzen die Wasserfälle über die Klippe und zerstäuben sich zu einem Nebel, der langsam auf den Boden nieder rieselt. Das kann man nicht beschreiben, man muss es selbst sehen!

Oben sehe ich wieder Helikopter. Doch ich bezweifle, dass man von dort auch nur annähernd das Gefühl hat, wie es hier unten ist. Ich stehe jetzt an der Wand, schaue nach oben, und fühle mich klein und unbedeutend wie ein Wimpernschlag in der Unendlichkeit. Es ist ein fantastischer Moment, der beste meiner ganzen Hawaii-Reise – hier unten, ganz allein zwischen riesigen Felswänden abseits jeder Zivilisation. Es fühlt sich fast so an, als wäre dieser Ort von einer anderen Welt.

 

Wall Wand Blue Hole Waialeale Kauai Hawaii

Das ist sie, „The Wall“ aus nächster Nähe. Das endgültige, unüberwindbare Ende des Trails, an dem unaufhaltsam die Wasserfluten vom Wai’ale’ale herunterströmen, dem regenreichsten Ort der Welt. Auf dem vorherigen Foto (siehe oben) sind diese Wasserfälle nur ganz klein unten im Bild zu sehen – was für eine Perspektive!

 

Eine halbe Stunde bleibe ich hier. Ein paar Videos und Fotos müssen sein, dann esse und trinke ich in Ruhe und genieße den einzigartigen Moment, der sich so vielleicht nie wieder bietet. Gegen 13 Uhr breche ich auf. Der Rückweg sollte schneller gehen, da ich nun weiß, wo der richtige Weg ist.

Ich brauche 2 1/4 Stunden bis zum Rad. Zuvor waren es 3 1/2 Stunden auf dem Hinweg. Dann nochmal eine Stunde bis zur Straße, 15 Minuten Rad und Klamotten waschen am letzten Fluss, der die Straße quert, und weitere 30 Minuten bis nach Kapa’a runter. Dort angekommen fahre ich zum Big Save, um mir ein schönes Eis als Belohnung zu holen: Dave’s Hawaiian Gourmet Ice Cream, Geschmackssorte Coconut Macadamia. Einfach herrlich!

Insgesamt war es ein schwieriger und durchaus gefährlicher Trail. Aber auch ein fantastisches Abenteuer! Ich empfehle Handschuhe, Armlinge und Beinlinge als Schutz vor Kratzern (auch wenn man dann noch mehr schwitzt) und mindestens eine Begleitperson für den Fall, dass irgendetwas passiert. Auch sollte man das Wetter genau beobachten – wenn es oben am Berg einen großen Wolkenbruch gibt, kann der Fluss schnell stark ansteigen. Bei solch einer Flash Flood kann es sein, dass man nicht mehr zurück kommt und abwarten muss, bis das Ganze vorüber ist (eventuell erst am nächsten Tag).

 

5. Tag: Easy Day

Nach dem gestrigen Abenteuer braucht es einen lockeren Tag. Ich nehme Abschied von Brad, der heute weiterreist. Dann setze ich mich ans Notebook und quatsche zwischendurch mit ein paar Leuten.

Nachmittags kaufe ich ein Red Dirt T-Shirt als Andenken. Die Story dahinter: Der Hurrikan im Jahr 1992 spülte jede Menge des roten Drecks in die Lagerhalle des Unternehmens, das T-Shirts bedruckte. Alles Shirts waren irreparabel verdreckt. Dann die Idee: Warum nicht einfach Dreck-Shirts verkaufen? Man begann, die Shirts mit echtem Red Dirt zu färben und zu verkaufen. Der Plan ging auf, und so verkaufen sie die T-Shirts noch heute. Man hat aus einer Katastrophe das Beste gemacht und so die Firma gerettet.

Dann fahre ich – mal wieder – zum Farmers Market. Papayas, Avocados, das übliche eben. Abends mache ich zusammen mit Stevie und Jasmine, einer neu angereisten Schweizerin, leckere Burritos.

 

6. Tag: Waimea Canyon

Ein Projekt fehlt noch auf der Kauai-Liste: Der Canyon. Dort geht es heute hin. Ich fahre mit dem ersten Bus um 6 Uhr nach Lihue. Das Rad nehme ich mit, was auf der extra am Bus vorgesehenen Radhalterung super funktioniert. In Lihue steige ich um und fahre weiter bis Waimea. Raus aus dem Bus, ab aufs Rad und los geht’s!

Die Straße geht bergauf. Steil. An einigen Stellen zu steil. Es ist zwar erst früher Vormittag, aber schon ordentlich heiß und der Anstieg bringt mich ordentlich ins Schwitzen. Nach rund 1000 Höhenmetern erreiche ich den Waimea Canyon Lookout, wo eine verdiente Pause ansteht. Einige Touristen fragen mich, ob ich tatsächlich mit dem Rad hochgefahren bin. Überhaupt sehe ich an diesem Tag keinen einzigen anderen Radfahrer – was die ganze Aktion wiederum zu etwas Besonderem macht.

 

Waimea Canyon Lookout Kauai Hawaii

Wahnsinns-Landschaft am Waimea Canyon. Das hätte ich auf dieser kleinen Insel nie im Leben erwartet!

 

Dann fahre ich weiter zum Kalalau Lookout. Ich bin jetzt auf rund 1300 Metern Höhe, doch der Aussichtspunkt hängt in den Wolken. Nichts zu sehen außer Grau. Zum Glück sehe ich, dass hinter der Absperrung ein kleiner Trail nach unten führt. Ich gehe hinab und folge dem Weg. Schon kurz darauf wird der Blick auf die Na Pali Coast frei. Und was für ein Blick – zum zweiten Mal auf Kauai bin ich echt überwältigt!

Ich gehe etwa 30 Minuten bis zum Ende des Trails. Dort sind zum Glück gerade zwei andere Leute, sodass wir uns gegenseitig fotografieren können. Zusammen gehen wir wieder zurück und quatschen dabei über Gott und die Welt. Oben angekommen treffe ich Stan (aus den Niederlanden) und Jasmine und empfehle ihnen natürlich gleich, den Trail zu gehen.

 

Kalalau Lookout Na Pali Coast Kauai Hawaii

Hier sitze ich an der letzten Kante vor dem Abgrund, Blick nach rechts auf die Na Pali Coast

 

Kalalau Lookout Beach Na Pali Coast Kauai Hawaii

Gleiche Stelle, Blick nach links – inklusive Regenbogen! Unten sieht man den Kalalau Beach, das offizielle Ende des Kalalau Trails, den wir 3 Tage zuvor gegangen sind.

 

Kalalau Lookout Na Pali Coast Kauai Hawaii

Wer genau hinschaut, sieht mich rechts am Hügel ganz klein. Was für eine Perspektive hier oben, unglaublich!

 

Inzwischen hat es zu nieseln begonnen. Ich ziehe die Regenjacke über und fahre weiter nach oben zum letzten Aussichtspunkt, dem Pu’u O Kila Lookout. Hier ist aber alles hoffnungslos wolkenverhangen, sodass ich schnell wieder umdrehe. Auf dem Rückweg halte ich am Waimea Canyon State Park Museum und schaue mich dort ein bisschen um. Dann geht’s weiter bergab – mit bis zu 65 km/h Spitzengeschwindigkeit auf meiner Klapperkiste.

Unten angekommen fahre ich nach Kekaha an den Strand. Dort springe ich kurz ins Wasser. Das wäscht den gröbsten Dreck des heutigen Tages aus den Klamotten. Dann hole ich mir wieder ein Coconut Macadamia Eis, setze mich an die Haltestelle und warte auf den Bus. In Lihue entscheide ich mich, mit dem Rad nach Kapa’a zu fahren – und schaffe es gerade noch vor Sonnenuntergang zum Hostel.

 

Kekaha Beach Kauai Hawaii

Endlich wieder unten. Links hinten beginnt der Kekaha Beach. Kaum zu glauben, wie trocken hier unten alles ist, es regnet fast nie – doch nur rund 30 km Luftlinie entfernt ist der regenreichste Ort der Welt.

 

Abends sitzen wir alle im Hostel zusammen. Mit Stevie, Stan, Jasmin und Austin (aus Denver) spielen wir das Trinkspiel „Picolo“. Ich gebe Stan ein paar Tipps zum Blue Hole – er möchte es am nächsten Tag ebenfalls versuchen, zusammen mit drei anderen. Sie haben ein Auto mit Allradantrieb und können daher besser und schneller an den Ausgangspunkt gelangen, wo ich mein Rad angeschlossen hatte. Ich hoffe, dass sie es schaffen.

 

7. Tag: Easy Day

Heute ist Ausruhen angesagt. Es ist mein letzter Tag auf Kauai. Ich schreibe ein paar Postkarten am Notebook und verschicke sie online über Touchnote. Das ist perfekt, da sie direkt in Deutschland gedruckt werden und schnell ankommen, statt wochenlang um den halben Globus zu schwirren.

Anschließend drehe ich eine Runde mit dem Rad. Ganz entspannt entlang der Küste über ein paar Trails, auf denen ich mich kurzzeitig etwas verirre. Am Kealia Beach springe ich kurz ins Meer. In einer Welle, die sich gerade auftürmt, sehe ich eine große Schildkröte – super Anblick, wenn auch nur für einen kurzen Moment.

 

Kealia Beach Kauai Hawaii

Ordentlich Wind und Wellen am Kealia Beach

 

Nachmittags geht’s wieder mal zum Farmers Market. Alizee aus dem Hostel begleitet mich. Sie ist Kanadierin und wohnt in French Montreal. Dann wird leider das Wetter schlecht und es beginnt lange und stark zu regnen. Stan und die anderen kommen von der Blue Hole Tour zurück – es hat geklappt. Sie haben es zwar nicht ganz bis zur Wand geschafft, aber es von weitem von einer Anhöhe aus gesehen.

Abends sitzen wir alle zusammen und trinken Bier. Entsprechend gut sind alle drauf – ich auch, da ich ja nicht viel Alkohol vertrage. Nachts gehen wir an den Strand zu einer Schaukel, die an einem Baum hängt. Zum Glück fällt keiner runter. Dann ab ins Bett und Ohrenstöpsel rein, denn Stan und Stevie landen nebenan im gleichen Bett.

 

8. Tag: Flug Honolulu

Ich sitze gefühlte 3 Stunden beim Frühstück. Echt gut, alle nochmal zu sehen, bevor die Reise weitergeht. Ich habe noch jede Menge Obst und Müsli übrig und esse alles auf. Das war leider etwas zu viel, sodass es anschließend Bauschmerzen gibt.

Dann checke ich aus und schaffe das Rad zurück. Dabei vergesse ich, den Imbusschlüssel abzugeben, also nochmal hin und zurück marschieren. Auf dem Rückweg habe schaue ich noch kurz in einer kleine Kirche und einen Kunstladen. Mittags geht’s mit dem Bus zum Flughafen in Lihue, wo ich noch etwas Zeit habe, am Notebook zu arbeiten.

Die letzten Tage verbringe ich in Honolulu. Hier der Link zum Beitrag (ab 6. Tag, die ersten Tag dort waren ja vor Kauai).

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