Just Do It: Radrennen in Spanien

Startrampe Radrennen Spanien Vuelta Cicloturista Almeria Nijar Team Germany

Auf der Startrampe am 1. Renntag, von rechts nach links: Ralf, Manuel, Franz, Marko, Kevin. Bildquelle: Laszlo Somogyi, www.intelligent-triathlon-training.com

 

Es war alles ziemlicher Zufall. Vor kurzem wusste ich noch nicht einmal, dass es hier in der Region überhaupt ein Radrennen gibt. Und dann ging es ratz fatz. Aber erstmal der Reihe nach.

Ich bin gerade im Trainingslager in Spanien. Mit vier Kumpels haben wir privat ein Camp in der Region Almeria organisiert. Unser Hotel ist in Playa de Vera, und eigentlich wollten wir hier in der Gegend „ganz normal“ trainieren.

Das heißt: Moderate Einheiten, viel Grundlagentraining, und nix übertreiben. Doch dann kam alles anders.

Laszlo, der uns hier im Hotel betreut, hatte im Vorfeld eine Idee: Wir könnten bei einer eintägigen Radrundfahrt mitmachen (eine sogenannte RTF). Klar, warum nicht, und zack waren wir angemeldet. Die RTF stellte sich dann als cooles Event heraus, bei dem wir auch ganz gut dabei waren.

 

Radrennen Spanien Vuelta Cicloturista Almeria Team Germany

Vor dem Rennen hatten wir noch gut lachen: Manuel, Kevin, Marko (von rechts nach links).

 

Laszlo meinte dann, dass es am nächsten Wochenende ein Radrennen gibt. Und ob das etwas für uns wäre. Naja, eigentlich ja nicht, da wir überhaupt keine Erfahrung mit richtigen Rennen hatten. Oder? Kurz beratschlagt, und zack, waren wir angemeldet.

Der Name des Events ist „I Vuelta Cicloturista a Almeria“. Ein 2-Tages-Rennen. Am 1. Tag ein Bergzeitfahren im Team und später eine lange Fahrt im gesamten Teilnehmerfeld mit Freigabe des Rennens kurz vor dem Ziel. Am 2. Tag eine kurze Fahrt im Peloton bis an den ersten Berg, wo das Rennen freigegeben wurde und man sich über insgesamt drei Berge kämpfen musste.

 

1. Tag: Bergzeitfahren im Team

Mit dem Auto ging es zum Start in Nijar. Wir hatten uns als letztes Team angemeldet („Team Germany“) und starteten daher auch als letzte von der extra aufgebauten Startrampe.

 

Radrennen Spanien Vuelta Cicloturista Almeria Nijar Lucainena Torres

Auf dem Höhenprofil sah die erste Etappe gar nicht so schlimm aus. Bildquelle: Laszlo Somogyi

 

Und dann zu fünft den Berg hoch, so schnell es ging. Da im Team der letzte zählt, wurde bergauf ordentlich geschoben. Am Anfang habe ich das auch versucht, bis ich dann kurz nicht aufgepasst habe und mit dem Rad gegen die Felsen am Straßenrand gefahren bin…

Ein ziemlich dummer Fehler. Zwar war nur das Knie ein bisschen aufgeschlagen (und das Rad zerkratzt), aber der Rhythmus vom Bergauffahren war weg und ich hatte eine Lücke zu den anderen vier aus unserem Team. Erst dachte ich, das wäre schnell wieder zugefahren, aber da hatte ich mich getäuscht. Kevin schob die anderen vorne kräftig an, und in den flachen Passagen fuhr die Gruppe im Windschatten eher noch weiter weg.

In der Bergab-Passage hatte ich dann sogar Glück. Denn um den Rückstand zu verringern, fuhr ich ziemlich halsbrecherisch runter und wäre in einer Kurve beinahe geradeaus in den Abgrund gerauscht. Keine Leitplanke dort, nix. Kevin hat dann wenige Kilometer vor dem Ziel kurz gewartet und wir konnten wieder zu den anderen auffahren, bevor es dann gemeinsam ins Ziel in Lucainena de las Torres ging.

 

Radrennen Spanien Vuelta Cicloturista Almeria Ziel Lucainena Torres

Kurz vor dem Ziel war unsere Gruppe wieder komplett. Hier fahren wir gerade in den Zielort Lucainena de las Torres ein. Bildquelle: Laszlo Somogyi

 

Nun folgte erstmal ein schönes Mittagessen (Paella) und eine lange Pause. Die Sanitäter versorgten mein Knie, und als das Blut weggewischt war sah alles halb so wild aus. Unangenehm war nur, dass ich wenige Tage zuvor auf regennasser Straße bereits auf die gleiche Stelle gestürzt und es nun nochmal neu aufgeschürft war.

Nachmittags ging es dann im Peloton (rund 120 Leute) weiter. Gar nicht so einfach, mittendrin Lenker an Lenker und mit mehr als 40 Sachen im Windschatten über die Straße zu brausen. Habe mich kaum getraut, mal kurz eine Hand vom Lenker zu nehmen!

 

Die zweite Etappe fand am Nachmittag des ersten Renntages statt. Im Peloton ging es bis kurz vors Ziel, wo das Rennen dann freigegeben wurde. Bildquelle: Laszlo Somogyi

Die zweite Etappe fand am Nachmittag des ersten Renntages statt. Im Peloton ging es bis kurz vors Ziel, wo das Rennen dann freigegeben wurde. Bildquelle: Laszlo Somogyi

 

Etwa 10 km vorm Ziel wurde das Rennen dann freigegeben. Der Renndirektor schwenkte eine grüne Flagge aus dem Führungsfahrzeug, das die ganze Zeit vorm Feld hergefahren war. Dann beschleunigte das Auto und fuhr davon. Und zack, ging vorne das Tempo hoch. Es wurde hin und her taktiert, von einer Straßenseite auf die andere gewechselt, und das Feld zog sich wie eine Schlange im Windschatten hinterher.

Immer wieder versuchten einzelne Fahrer, vorne wegzusprinten. Gerade an kurzen Anstiegen wurde das Tempo plötzlich hochgezogen, um die Gruppe zu sprengen und möglichst viele abzuschütteln. Da muss man aufpassen wie ein Luchs und sofort mitsprinten, um die Gruppe zu halten (und dabei aufpassen, nicht mit anderen Fahrern zu kollidieren). Wenn nämlich erstmal eine Lücke von zwei, drei Metern zum Vordermann ist, fällt der Windschatten weg und die Gruppe fährt auf und davon. Keine Chance, dann wieder ranzukommen.

Zum Glück gab es nur zwei kurze Anstiege, wo dieses Spiel gespielt wurde. Ich konnte jeweils geradeso dranbleiben. Und so rollte ich mit der ersten Gruppe aufs Ziel in Turre zu. Ein Ausreißer hatte sich abgesetzt und gewann das Rennen. Kurz vor der Ziellinie dann, als eigentlich alles gegessen war, kam noch eine fiese Bodenwelle, die eigentlich zum Abbremsen der Autos bei der Einfahrt in den Ort gedacht war. Da wir dort aber mehr als 50 Sachen drauf hatten, wurde dieser Buckel zu einer Art Sprungschanze.

Etwa 3 Meter rechts neben mir knallte es kurz. Ich schaute für 1/2 Sekunde rüber und sah einen Fahrer auf dem Rücken über die Straße rutschen. Mitten im Peloton bei voller Fahrt. Dann sofort wieder Blick nach vorn, da ja überall andere Fahrer waren – vorne, links, rechts, hinten. Nochmal 1/2 Sekunde später hörte ich es von hinten rechts nur noch krachen. Ein brutales Geräusch. Ich rollte über die Ziellinie und war schockiert von dem, was da gerade passiert sein musste. Im Radsport mag das nichts Ungewöhnliches sein, aber mir lief es ziemlich kalt den Rücken runter.

 

Radrennen Spanien Vuelta Cicloturista Almeria Ziel Turre

Zieleinfahrt in Turre, keine 500 Meter nach dem Sturz im Hauptfeld.

 

Nach und nach kamen auch die anderen an. Kevin, der unterwegs einen Mantelplatzer hatte, war nach einem ordentlichen Kraftakt nur ein paar Minuten später im Ziel. Am Ende hatten wir alle den Tag „überlebt“, im wahrsten Sinne des Wortes. Allerdings musste ich die ganze Zeit daran denken, wie die ganze Sache ausgegangen wäre, wenn der Sturz auf meiner Seite passiert wäre.

 

2. Tag: Auf eigene Faust über die Berge

Nach einer kurzen Nacht ging es am nächsten Morgen kurz nach 6 raus. Im Dunklen radelten wir nach Garrucha. Dort Frühstück in einem Café und dann Start um 8 Uhr. Die ersten 40 Kilometer ging es im Peloton halbwegs gemütlich. Mit Ausnahme von zwei Sprintwertungen, wo das Tempo ordentlich angezogen wurde.

 

Radrennen Spanien Vuelta Cicloturista Almeria Garrucha Tabernas

Ein wirklich saftiges Höhenprofil auf der langen Etappe am zweiten Renntag. Bildquelle: Laszlo Somogyi

 

Kurz vor dem ersten Berg dann die grüne Flagge, das Rennen war freigegeben. Das Tempo ging schlagartig hoch. Und zack, hatte ich den Anschluss an die Spitzengruppe verloren. Die restlichen rund 105 km wurden eine saftige Trainingseinheit über fast 3000 Höhenmeter, bei der ich größtenteils allein oder mit nur zwei bis drei anderen verstreuten Teilnehmern fuhr.

Eine super Strecke, top Wetter, schöne Aussicht und fast perfekt glatte Straßen. So machte es richtig Spaß, sich an den Bergen mal ordentlich abzuquälen und dann auf der anderen Seite die Abfahrten volle Kanone runterzudonnern. Zum Glück hatte ich auch Bananen und Gels dabei, denn die zwei Verpflegungspunkte waren – gelinde gesagt – ziemlich weit voneinander entfernt.

Am Ende folgte dann noch ein rund 15 km langes Flachstück. Fast nur geradeaus. Dort wehte der Wind kräftig von vorn und die Straße war eher eine Buckelpiste, sodass dieser Part nochmal eine mentale Herausforderung war. Schon am letzten Berg hatte ich mich soweit verausgabt, dass die Beine platt waren und ich nur noch vom Rad runter wollte. Und irgendwann kam sie dann, die Ziellinie in Tabernas. Geschafft. Pepsi auf, Banane geschält, und erstmal schön am Straßenrand in die Sonne gehockt.

Später gab es noch eine super Paella bei der Siegerehrung. Habe zwar kein Wort von dem verstanden, was da erzählt wurde, aber geschmeckt hat es gut. Überragender Sieger des Rennens war ein Radprofi aus dem Movistar-Team mit insgesamt rund 10 Minuten Vorsprung auf den Zweitplatzierten. Ich landete in der Gesamtwertung auf Platz 39 und auf Platz 19 in meiner Altersklasse.

 

Radrennen Spanien Vuelta Cicloturista Almeria Tabernas Paella Siegerehrung

Bei der Siegerehrung gab es eine riesige Paella – grandios!

 

Im Nachhinein bin ich echt froh, dass wir das Rennen alle gut überstanden haben. Es war schon eine ziemliche Herausforderung, und man musste im Peloton die ganze Zeit sehr konzentriert fahren. Wer gerade erst mit dem Radfahren anfängt, sollte das lieber nicht ausprobieren.

Im Gedächtnis bleibt mir der Sturz, weshalb ich wohl nicht so schnell wieder ein Radrennen mitmache. Andererseits war vor allem der 2. Tag ein super Training. Das könnte man auf eigene Faust in Sachen Intensität niemals abspulen. Den Rest des Trainingslagers versuchen wir nun, „vernünftig“ zu trainieren. Man soll es ja nicht übertreiben 🙂

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