Klassisches Momentum und Alpha Momentum

Die Studie „Alpha Momentum and Price Momentum“ von Hannah Lea Hühn und Hendrik Scholz untersucht den Zusammenhang zwischen klassischem Kursmomentum und Momentum auf Basis faktorbereinigter Renditen (Alpha Momentum). Anders als in den meisten Studien erfolgt die Analyse auf Basis von Tagesdaten. Die Ergebnisse zeigen, dass in den USA nur Alpha Momentum Prognosekraft für zukünftige Aktienrenditen hat, während dies in Europa sowohl für klassisches als auch Alpha Momentum der Fall ist. Insgesamt erscheint Momentum Trading in Europa profitabler.

Die Untersuchungen verdeutlichen, dass das langfristige Reversal für Alpha Momentum weniger stark ausgeprägt ist als für klassisches Momentum. Dies weist darauf hin, dass Alpha Momentum eher auf eine Unterreaktion auf unternehmensspezifische Nachrichten zurückzuführen ist, klassisches Momentum dagegen eher auf ein prozyklisches Überschießen mit späterer Umkehr. Insgesamt sind die Renditen für Alpha Momentum im Zeitablauf entsprechend weniger volatil als für klassisches Momentum.

Beide Momentum-Varianten sind abhängig vom Marktsentiment. Sowohl klassisches als auch Alpha Momentum erzielen die höchsten risikoadjustierten Renditen in optimistischen Phasen. In den USA ist dies überwiegend auf die Underperformance der Loser-Aktien zurückzuführen, in Europa dagegen eher auf positives Momentum der Winner-Aktien.

 

Momentum klassisch Alpha Rendite Performance

Dargestellt sind die Renditen der Holding-Perioden für die klassische, die Alpha- und die kombinierte Momentum-Strategie für einen Ranking-Zeitraum von 12 Monaten (T-13 bis T-2). Zeitraum: 1984-2013 (USA) und 1990-2013 (Europa).

 

Die Grafik zeigt die durchschnittliche Renditeentwicklung folgender 3 Fälle jeweils für USA und Europa:

● Aktien mit klassischem Momentum, aber nicht Alpha Momentum: langfristiges Reversal in den USA, aber in Europa kaum

● Aktien mit Alpha Momentum, aber nicht klassischem Momentum: kein Reversal in USA und Europa

● Aktien mit sowohl klassischem als auch Alpha Momentum: langfristiges Reversal in den USA und Europa

 

Fazit

In Europa funktionieren beide Momentum-Varianten, in den USA dominiert Alpha Momentum. Optimal für beide Effekte ist ein positives Sentiment.

 

Quelle: Hühn, H. / Scholz, H. (2017), Alpha Momentum and Price Momentum, Assenagon Asset Management & Friedrich Alexander Universität Erlangen Nürnberg School of Business & Economics

4 Kommentare zu Klassisches Momentum und Alpha Momentum

  1. Klaus sagt:

    Eine Erklärung des Begriffs „Momentum auf Basis faktorbereinigter Renditen (Alpha Momentum)“ wäre für mich noch hilfreich.

  2. MarkoMarko sagt:

    Es gibt ein 3-Faktor-Modell von Fama/French, mit dem Aktienrenditen teilweise erklärt werden können. Die drei Faktoren sind: 1) Marktrendite minus risikoloser Zins, 2) Renditedifferenz Small minus Big Market Cap und 3) Renditedifferenz High minus Low Book to Market. Faktorbereinigte Renditen sind dann diejenigen Aktienrenditen, die übrig bleiben, wenn man den Erklärungsgehalt dieser 3 Faktoren herausrechnet. Es gibt auch noch erweiterte Faktormodelle, aber in dieser Studie wurde das klassische 3-Faktor-Modell verwendet.

    • Klaus sagt:

      Dann gibt es mit „Alpha Momentum“ neben „Idiosyncratic -“ und „Residual Momentum“ wohl noch einen weiteren Begriff für die gleiche Art von Momentumberechnung…

      • MarkoMarko sagt:

        So wie ich es verstehe ist Alpha Momentum im Prinzip das gleiche wie Residual Momentum. Im Paper ist der Unterschied lediglich, dass Tagesdaten statt wie sonst Monatsdaten verwendet werden. Idiosyncratic (einzeltitelspezifisches) Momentum muss dagegen nicht faktorbereinigt sein, man kann den Begriff auch für Aktien in einem normalen Performance-Ranking verwenden.

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