Leben Spitzensportler länger?

Lebenserwartung Leistungssport

 

Die einfache, schnelle Antwort ist: „Ja“. Für alle, die es genauer wissen möchten: Ja, aber es kommt darauf an (wie immer). Die Ergebnisse sind nicht für alle Sportarten einheitlich. Das zeigte eine Meta-Studie aus dem Jahr 2014 mit dem Titel „Do Elite Athletes Live Longer“. [1] Untersucht wurden dazu insgesamt 54 Studien aus wissenschaftlichen Journals und 3 Online-Publikationen.

Die Meta-Studie aggregiert alle Ergebnisse zu einer Gesamtstatistik. Insgesamt umfasst diese 465.575 Sportler, wobei 98,8% Männer sind. Das liegt daran, dass große Einzelstudien entweder nur Männer untersuchten oder es in der Untersuchungsmethodik keinen Hinweis auf das Geschlecht gab. Daher gibt es bisher keine verlässlichen geschlechterabhängigen Untersuchungen über den Zusammenhang von Spitzensport und Lebenserwartung. Die insgesamt höchste Signifikanz für längere Lebenserwartung wurde in den Sportarten Baseball, Football, Radsport, Basketball und Golf festgestellt, was allerdings auch damit zusammenhängen kann, dass bestimmte Sportarten viel umfangreicher untersucht wurden als andere.

Die Autoren kommen zu einem recht klaren Fazit: Es sind deutliche Hinweise darauf zu finden, dass Spitzensportler länger leben als der Bevölkerungsdurchschnitt. Insbesondere gilt dies für Ausdauer- und gemischte Sportarten. So ergaben beispielsweise Studien zu Tour-de-France-Fahrern, dass diese rund 8 Jahre länger lebten als der Bevölkerungsdurchschnitt (allerdings wurden dazu nur die aktiven Jahrgänge 1930-1964 untersucht).

 

Einige Erkenntnisse aus den untersuchten Einzelstudien:

● frühere Spitzensportler haben ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, zwei der häufigsten Todesursachen in der Bevölkerung

● insbesondere Ausdauersportler leben länger, Kraftsportler dagegen weniger bis gar nicht länger

● bei Radsportlern gibt es den größten Zugewinn, bei Gewichthebern den geringsten

● klarer Zusammenhang zwischen Bewegung und Lebensdauer

● kein klares Ergebnis zur Frage, ob Freizeitsport für den vollen Zugewinn an Lebenserwartung ausreicht oder ob Spitzensport eine bessere Ausgangslage schafft

 

Die Forscher liefern ein Erklärungsmuster für die Ergebnisse: Athleten, die mehr trainieren, erreichen höhere Fitness-Level. Spitzensportler sind entsprechend mit hoher Wahrscheinlichkeit die gesündesten und fittesten Menschen, die oft auch nach ihrer Karriere einen aktiven und gesunden Lebensstil beibehalten. So wurde bei früheren Spitzensportlern weniger gesundheitsschädliches Verhalten wie Rauchen oder Alkoholgenuss beobachtet. Gleichzeitig gibt es Einflussfaktoren wie beispielsweise der Zugang zu besserer medizinischer Versorgung gegenüber dem Bevölkerungsdurchschnitt aufgrund des besseren Einkommens, was sich ebenfalls auf die Ergebnisse auswirken kann.

Es wurde auch ein neuer Trend in den Untersuchungen beschrieben: Sportarten werden nach dem Typ der Energiebereitstellung unterschieden, also aerob (Ausdauer), gemischt, und anaerob (Kraftsport).  Insgesamt ist die Sterblichkeit aber auch von weiteren Parametern wie der Spielposition, dem Gewicht, der Ausbildung und der Ethnie abhängig. Empirische Studien haben beispielsweise klar gezeigt, dass deutliches Übergewicht einer der größten Risikofaktoren für frühzeitigen Tod ist.

Ein Problem für Studien ist die schlechte Datenlage: Es gibt kaum empirische Informationen dazu, wie sich Sportler nach ihrer aktiven Karriere entwickeln. Zudem fehlen regelmäßig wichtige Daten wie beispielsweise Todeszeitpunkte. In der Öffentlichkeit verzerren die Medien unsere Wahrnehmung zur Lebenserwartung von Spitzensportlern, da typischerweise die positiven Beispiele kaum thematisiert, aber die negativen frühzeitigen Todesfälle als Schlagzeilen aufgearbeitet werden.

 

Fazit

Insgesamt leben Spitzensportler länger als der Bevölkerungsdurchschnitt. Das lässt sich am deutlichsten für den Ausdauer- und gemischten Sport zeigen. Das Ergebnis wird aber von weiteren Parametern beeinflusst, die sich schwer von der reinen Tätigkeit als frühere Spitzensportler trennen lassen. Ebenso ist zu berücksichtigen, dass Spitzensportler von Natur aus bessere genetische Voraussetzungen haben, die es ihnen überhaupt erst ermöglichen, ihren Sport auf professionellem Niveau auszutragen. Eine weitere Einschränkung ist, dass viele bisherige Studien bereits lange zurückliegende Karrieren auswerteten und sich der Zusammenhang eventuell nicht ohne weiteres auf heute aktive Athleten übertragen lässt. Last but not Least bleibt neben der längeren Lebensdauer die Frage nach der besseren Lebensqualität, die sich nur schwer beantworten lässt.

 

Quelle: [1] Lemez, S. / Baker, J. (2015), Do Elite Athletes Live Longer? A Systematic Review of Mortality and Longevity in Elite Athletes, Sports Medicine – Open 2015, S. 1-16

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