Linksschiefe-Momentum

Die Studie untersucht den Zusammenhang des Auftretens einzelner großer Kursverluste (negative Schiefe in der Renditeverteilung bzw. Left Tail Risk) mit den korrespondierenden Renditen. Es ist eigentlich zu vermuten, dass für Aktien mit hohem Left Tail Risk entsprechend niedrigere Preise gezahlt und damit höhere Renditen erwartet werden können. Allerdings kommen die Forscher zu einem widersprüchlichen Ergebnis zur klassischen Rendite-Risiko-Idee: Aktien mit hohem (niedrigem) Left Tail Risk haben niedrige (hohe) Folgerenditen. Sie bezeichnen dies als Left Tail Return Momentum, also die Tendenz, dass sich große Verluste in der Zukunft fortsetzen.

Die Autoren erklären dies so, dass Left Tail Risk ein nachhaltiger Effekt ist, der von Anlegern unterschätzt wird. Sie bewerten Aktien, die kürzlich hohe Kursverluste aufwiesen zu hoch und werden dann negativ überrascht, wenn sich die Verluste weiter fortsetzen. Das bedeutet, dass Anleger zunächst eine Mean Reversion des Left Tail Risk erwarten und davon ausgehen, dass Aktien nach großen Kursverlusten weniger wahrscheinlich weitere große Verluste aufweisen (also ein geringeres Left Tail Risk aufweisen). Doch das Gegenteil ist der Fall, da der Effekt tendenziell persistent ist. Demnach haben insbesondere Aktien, die kürzlich (letzte 1-2 Monate) hohe Kursverluste aufwiesen, ein höheres Left Tail Risk.

Interessant ist zudem, dass das Left Tail Risk für Aktien mit geringem Institutional Ownership höher ist. Demnach unterschätzen vor allem Privatanleger den Effekt und tragen damit zur Unterreaktion des Marktes auf das erhöhte Risiko nach negativen Preisschocks bei.

 

Fazit

Aktien, die vereinzelten, großen Verlusten sind riskanter und weisen tendenziell weitere Rückschläge auf.

 

Quelle: Atilgan, Y. / Demirtas, K. O. / Gunaydin, A. D. (2017), Left-Tail Momentum: Limited Attention of Individual Investors and Expected Equity Returns, School of Management Sabanci University & Turan G. Bali, McDonough School of Business, Georgetown University

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