Reale Renditen verschiedener Anlageklassen seit 1870

Das umfangreiche NBER-Paper „The Rate of Return on Everything“ beinhaltet eine spannende Ultra-Langfristbetrachtung realer Renditen der Anlageklassen Wohnimmobilien, Aktien, Staatsanleihen und Schatzanweisungen aus insgesamt 13 europäischen Ländern sowie Japan, den USA und Australien.

Den Daten zufolge wiesen sowohl Wohnimmobilien und Aktien die höchsten Renditen von durchschnittlich rund 7% pro Jahr auf. Dabei liefen die Immobilien vor dem 2. Weltkrieg besser und Aktien danach, wobei letztere jedoch deutlich höhere Volatilitäten aufwiesen. Die Erkenntnis, dass Wohnimmobilien sogar etwas höhere Renditen bei zugleich deutlich niedrigerer Volatilität aufwiesen, ist zunächst erstaunlich. Tatsächlich liegen die reinen Wertsteigerungen zwar nur im Bereich von real rund 1% pro Jahr und damit deutlich unter den Kursgewinnen am Aktienmarkt, aber dies wurde durch die erzielten Mietrenditen aufgeholt, die deutlich über den Dividendenrenditen lagen und weitaus stabiler waren. Die Autoren weisen darauf hin, dass Aktien und Wohnimmobilien langfristig eine vergleichsweise geringere Korrelation aufweisen, weshalb sich beide Anlageklassen mit positiven Diversifikationseffekten kombinieren lassen.

Die realen Renditen von „sicheren“ Anlagen wie Staatsanleihen und Schatzanweisungen waren langfristig durchaus volatil und damit aus Rendite/Risiko-Sicht wenig attraktiv. Während der Weltkriege lagen die sicheren Renditen sehr niedrig und real deutlich unter null, ebenso während der Stagflation der 1970er Jahre. Zudem erinnert der lange Abwärtstrend der Renditen in den letzten Jahrzehnten an die Zeit von 1870 bis zum ersten Weltkrieg. Aus langfristiger Sicht sind deshalb weder der lange Rückgang noch das derzeit niedrige Niveau der realen Renditen ungewöhnlich. Es stellt sich eher umgekehrt die Frage, warum die realen Renditen Mitte der 1980er Jahre so hoch ausfielen.

 

globale reale Renditen Wohnimmobilien Aktien Staatsanleihen Schatzanweisungen

Die Grafik zeigt die durchschnittlichen realen Renditen über 16 Länder im Zeitraum von 1870 bis 2015. Quelle: Jorda, O. / Knoll, K. / Kuvshinov, D. / Schularick, M. / Taylor, A. M. (2019), The Rate of Return on Everything, S. 13

 

Fazit

Wohnimmobilien als Kapitalanlage sowie Aktien boten seit 1870 mit durchschnittlich rund 7% p.a. die höchsten realen Renditen.

 

Quelle: Jorda, O. / Knoll, K. / Kuvshinov, D. / Schularick, M. / Taylor, A. M. (2019), The Rate of Return on Everything, 1870–2015, NBER Working Paper 24112

Schreibe einen Kommentar