The Capitalism Distribution

Aktien sind langfristig ein gutes Investment. Vielleicht das Beste, das es gibt. Wer sich Charts von DAX, Dow Jones & Co über viele Jahre anschaut, wird dem sicherlich zustimmen.

Allerdings kann diese Perspektive auch täuschen. Denn letztlich betrachten wir Indizes, in denen eine Auswahl an Aktien enthalten ist, die sich bewährt haben und immer weiter im Kurs zulegen konnten. Fällt eines der Indexmitglieder später durchs Raster, wird es einfach ausgetauscht. Letztlich setzen Indizes damit eine Art langfristige Trendfolge-Strategie um, die in der Regel durch die angewandte Gewichtung nach Marktkapitalisierung noch verstärkt wird.

Die Studie „The Capitalism Distribution“ [1] nimmt einen anderen Blickwinkel ein. Es wird die Verteilung der Aktienrenditen betrachtet, wenn alle (!) in einem Zeitraum existierenden Aktien betrachtet werden – also auch diejenigen, die irgendwann wieder vom Kurszettel verschwunden sind. Insgesamt werden damit alle 8054 jemals gelisteten US-Aktien im Zeitraum von 1983 bis 2007 einbezogen. Und da schaut es schon nicht mehr so positiv aus, was die mittleren Renditen angeht:

● 18,5% aller Aktien haben mehr als 75% ihres Wertes verloren

● 39% aller Aktien hatten während ihrer Lebenszeit eine negative Rendite

● 64% aller Aktien haben schlechter performt als der Russell 3000 Index

● nur knapp 19% aller Aktien hatten eine massive Kurssteigerung (mindestens 300%)

 

Aktien Rendite Lebenszeit langfristig Verteilung Capitalism Distribution

Die Grafik zeigt, wie die Renditen aller 8054 US-Aktien inklusive Dividenden ausfielen, die jemals im Zeitraum zwischen 1983 und 2007 existierten. Es zeigen sich deutliche Extreme sowohl für die schlechtesten als auch die besten Titel. Quelle: [1]

 

Wie wahrscheinlich ist Börsenerfolg wirklich?

Wählt man Aktien rein zufällig aus, wird man wohl eher Underperformer oder Pleitekandidaten erwischen statt Amazon, Google oder Apple, die astronomische Wertsteigerungen aufwiesen. Insgesamt erzielten die 6000 schlechtesten Aktien der Studie nach eine Gesamtrendite von null Prozent, während die restlichen 2000 Werte für alle Gewinne verantwortlich waren.

Auch die Studie „Do Stocks Outperform Treasury Bills?“ [2] zeigt ein düsteres Bild – und das über einen deutlich längeren Untersuchungszeitraum. Demnach hatten 58% der insgesamt rund 26.000 Aktien von 1926 bis 2015 während ihrer (mitunter recht kurzen) Existenz niedrigere Renditen als 1-Monats-Treasury Bills. Insgesamt basierte der gesamte darüber hinausgehende Wertzuwachs des US-Aktienmarktes auf nur 4% (!) aller in diesem Zeitraum jemals existierenden Aktien, wobei wiederum nur 10% davon bereits die Hälfte dessen ausmachten.

 

Capitalism Distribution Verteilung 10-Jahres-Renditen

Dargestellt ist die Verteilung der 10-Jahres-Renditen, gerundet auf volle 5%, im Zeitraum 1926-2015. Während bei den 1-Jahres-Renditen der häufigste Wert 0% ist, liegt dieser hier bei -100%. Gleichzeitig ist die positive Schiefe der Verteilung mit einigen Werten (deutlich) über 100% zu erkennen. Quelle: [2]

 
Es macht also durchaus Sinn, Aktien nicht zufällig auszuwählen. Letztlich müssen alle Titel, die sehr hohe Kurssteigerungen aufweisen, immer wieder neue Hochs erreichen. Und genau hier liegt eines der Geheimnisse erfolgreichen Investierens: Sich Aktien anzuschauen, die fundamental und technisch gut performen und deshalb wahrscheinlich nicht Pleite gehen oder zum Pennystock verkommen. Solche Top-Aktien an scheinbaren Hochpunkten zu verkaufen kann sich später als teurer Fehler herausstellen.

Langfristige Trendfolge-Strategien helfen dabei, nachhaltig profitable Investments ausfindig zu machen. Dies ist einer der Gründe dafür, warum die großen Indizes langfristig steigen. Mit einer reinen Zufallsauswahl ohne Beachtung von Marktkapitalisierung, Trendverlauf und fundamentalen Aspekten können die Anlageergebnisse deutlich schlechter ausfallen.

Insgesamt macht es deshalb Sinn, sich auf Aktien zu konzentrieren, die stärker als der Markt sind und neue Hochs erreichen. Diese werden auch als „Fat Tails in Motion“ bezeichnet. Innerhalb dieser Gruppe die „nächste Apple-Aktie“ zu finden, ist dagegen eine ganz andere Geschichte. Ohnehin sollte eine gewisse Anzahl verschiedener Titel im Portfolio enthalten sein, um eine ausreichende Diversifikation zu erzielen.

 

Fazit

Langfristige Anleger sollten Trendfolge-Strategien auf starke Aktien anwenden (aktiver Ansatz) oder dauerhaft passiv auf Indexprodukte setzen.

 

Quellen:

[1] Blackstar Funds (2008), The Capitalism Distribution

[2] Bessembinder, H. (2018), Do Stocks Outperform Treasury Bills?, Arizona State University

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