Trainingslauf? Ach, was soll’s (und warum ich es bereue)

Siegerehrung 3 Talsperren Marathon Eibenstock 2016

Bildquelle: Tino Hofmann

 

Eigentlich war die Challenge Walchsee mein Vorbereitungsrennen für Hawaii. Logisch, ist ja auch eine Halbdistanz und passte 5 Wochen vor dem Ironman in Kona super in den Trainingsplan. Um aber noch etwas Distanz in die Beine zu bekommen, plante ich für den 17. September meinen monatlichen Marathon ein – als Trainingslauf natürlich, um mich nicht zu sehr zu belasten und dem Körper dennoch einen schönen Reiz für die anstehende Langdistanz zu geben.

Guter Plan. Aber man muss ihn eben auch einhalten – was ich leider nicht so ganz umsetzen konnte…

Aber eins nach dem anderen. Am Tag zuvor hatte ich ein hartes Radtraining abgespult, 105 km mit ordentlich Druck und 38er Schnitt auf dem Zeitfahrboliden. Dann abends nach Auerswalde, spät ins Bett und zeitig raus. Es regnete in Strömen. Egal, ab ins Auto und eine Stunde Fahrt nach Eibenstock. Außer dem Wetter war alles gut. Beim Einlaufen spürte ich einen leichten dumpfen Druck in der rechten Hüfte wie schon 3 Tage zuvor beim Tempotraining auf dem Sanderrasen. Aber hey, man kann sich auf nicht gleich über jedes Wehwehchen den Kopf zerbrechen, meist ist es ja nix.

Am Start traf ich meinen Kumpel Tino aus Schulzeiten. Er hatte sich zufällig auch angemeldet, es war sein erster Marathon. Er war morgens mit dem Rad hingefahren und hatte die erste kalte Dusche bereits hinter sich. Wir liefen den ersten Kilometer zusammen und quatschten ein bisschen, bevor ich mich dann etwas nach vorn absetzte.

Beim Start war ein Läufer mit saftigem Tempo vorausgelaufen – es war der souveräne Vorjahressieger, der sicherlich auch heute nicht zu schlagen sein würde. Aber die fünf Läufer dahinter waren kaum schneller als ich. Also lief ich etwas zügiger als geplant an und schaute, dass ich den letzten dieser Gruppe (also den Sechstplatzierten) immer gerade noch in Sichtweite hatte. Wer weiß, vielleicht würde sich ja später im Rennen eine gute Möglichkeit bieten, die Gruppe zu überrennen.

Und genauso kam es auch. Allerdings schon früher als geplant. Etwa bei Kilometer 12 hatte ich die Lücke zugelaufen, ohne dafür das Tempo deutlich zu erhöhen. Waren die etwa schon platt? Konnte eigentlich kaum sein. An einer langen Bergab-Passage nach der 15-Kilometer-Marke zog ich das Tempo für ein paar Kilometer an und konnte tatsächlich eine Lücke reißen.

Es war eine ziemliche Rutschpartie über die Waldwege. Teilweise ging es steil bergauf oder bergab, und insgesamt waren 800 Höhenmeter zu überwinden. Kein leichter Tag also für die Knochen – vor allem bergab, wo es ein paar heftige Passagen abzufedern galt. Ich war das ganze Rennen über komplett durchnässt – von Schuhen und Socken über Laufhose und Shirt bis zur Mütze klitschnass, da es konstant regnete oder nieselte. Aber zum Glück war es nicht zu kalt. Etwa 15 Grad waren gerade noch in Ordnung, da das schnelle Laufen konstant von innen heraus wärmte.

Nach vorn hatte ich ganz sicher keine Chance. Und es war ohnehin keine Option, noch mehr aufs Tempo zu drücken, denn für den geplanten „Trainingslauf“ war es bereits jetzt deutlich zu schnell. Also ging es nun darum, den 2. Platz zu sichern, ohne dabei unnötig ans Limit zu gehen. Nach hinten war etwas Luft, also schaltete ich einen Gang zurück und versuchte, einen konstanten Rhythmus zu finden.

Den Rhythmus fand ich schnell. Es fühlte sich für einige Kilometer echt gut und „rund“ an. Doch ein Blick zurück zeigte, dass es nicht reichen würde. Die Konkurrenz hatte die Lücke schon fast wieder zugelaufen. Das war irgendwo in der Nähe der 30-Kilometer-Marke. Was also tun? Mich einkassieren lassen und den Lauf in moderatem Tempo irgendwo zwischen den Plätzen 5 und 10 beenden? Oder etwas Risiko gehen, das Tempo anziehen und den 2. Platz bis ins Ziel verteidigen?

Logisch, was hier zu tun war. Die Wegmarkierung zeigte nur noch 9 km bis ins Ziel. Scheinbar war die Strecke dieses Jahr aus irgendwelchen Gründen zu kurz (oder mein GPS ging um 3 km falsch, was aber schwer zu glauben ist). Zudem hatte ich noch ein Not-Gel dabei, wie bei jedem langen Lauf. Also rein damit und das Tempo um 5-10 Pulsschläge pro Minute angezogen. Bis Kilometer 35 ging es gut, aber ich spürte auch die Erschöpfung. Ohne Tapering und Erholung direkt aus dem Training heraus und nach der schnellen Radeinheit am Vortag war es jetzt doch eine Nummer zuviel. Das war jetzt Wettkampftempo.

Nach einem Stück entlang der Talsperre konnte ich etwa 200 Meter weit nach hinten schauen. Keiner zu sehen. So konnte ich auf den letzten Kilometern nochmals ein kleines bisschen Tempo rausnehmen, aber traute mich auch nicht, es in irgendeiner Weise locker anzugehen. Denn wer würde kurz vorm Ziel noch riskieren, dass die Lücke zugelaufen wird?

Dann war endlich der erlösende Zielbereich in Sicht. Eine halbe Stadionrunde und ab über die Matte in 2:52:30 Stunden. Mein GPS zeigte gerade mal 39 km an. Sollte mir recht sein, denn auf weitere 3 km hatte ich nun wirklich keine Lust mehr. Nach kurzem Durchschnaufen kam auch schon der Drittplatzierte ins Ziel, weniger als 1 Minute nach mir.

Quatschen, Essen und Trinken im Zielbereich. Dann schnell zum Auto, die nassen Sachen umziehen. Auf dem Rückweg traf ich Tino, der stark und konstant durchgelaufen war: Platz 18 insgesamt und Platz 4 in seiner Altersklasse. Und das beim ersten Marathon (und nach Anreise mit Rad im Regen)! Da kann er im nächsten Jahr sicher drauf aufbauen.

Wir gingen zum Aufwärmen in die Therme nebenan. Dafür gab es an der Startnummer ein Freiticket für 2 Stunden, perfekt! Dann noch zur Siegerehrung und ab nach Hause – also nach Auerswalde, wo es erstmal Kaffee und Kuchen gab (oder zumindest das, was meine Geschwister, Eltern und Großeltern noch übrig gelassen hatten). Zurück nach Würzburg ging es dann erst am Sonntag mit dem Zug, wo ich auch gleich diesen Beitrag geschrieben habe.

Insgesamt war das ganze Event eine super Sache: In einer günstigen Startgebühr von nur 23 Euro waren die ganze Orga, eine top Streckenverpflegung und eben das Thermen-Ticket inklusive. Es gibt wohl kaum andere Wettkämpfe, die ein so gutes Preis/Leistungs-Verhältnis bieten! Zudem gab es einen Halbmarathon, einen 8-Kilometer-Lauf sowie ein 50- und ein 100-Kilometer-Mountainbike-Rennen im Angebot.

Einen Haken hatte der umfunktionierte Trainingslauf allerdings: Der leichte, dumpfe Schmerz in der Hüfte war nun ziemlich stark und pochte abends sogar im Liegen noch leicht. Könnte doch etwas Ernstes sein, was bedeutet, dass der Marathon ganz sicher keine gute Idee war (vor allem nicht in dem Tempo). Zwar freute ich mich über den 2. Platz, mit dem im Vorfeld wirklich nicht zu rechnen war. Aber gleichzeitig könnte sich das Ganze noch ziemlich negativ auf den Ironman Hawaii auswirken, der ja schon in 3 Wochen stattfindet. Und das wäre echt ärgerlich.

Hatte ich es wieder mal übertrieben und zu viel riskiert? Waren die Bergab-Stücke an den 2 „Wandertagen“ in St. Johann nach der Challenge Walchsee die Ursache? Jetzt ist jedenfalls erstmal Laufpause angesagt, um es vielleicht noch auszukurieren. Egal, wenn der finale Marathon auf Hawaii wegen der Laufpause dann nicht ganz so schnell ist. Hauptsache, es klappt überhaupt alles wie geplant. Eine langwierige Entzündung oder gar ein Ermüdungsbruch könnte dem ganzen nämlich einen Strich durch die Rechnung machen. Ich hoffe, dass nichts von dem schon eingetreten ist. Heute, am Tag nach dem Renne, fühlt es sich jedenfalls gar nicht gut an. Wir werden sehen…

2 Kommentare zu Trainingslauf? Ach, was soll’s (und warum ich es bereue)

  1. Malte sagt:

    Saustark!!

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