Warum Trading keine Freiheit bringt (und wie es wirklich klappt)

Freiheit Trading Geld Monika Müller

 

Ich möchte heute mit einer kurzen Geschichte einsteigen. Vor einigen Jahren war ich bei einem Vortrag zum Thema Trading. Ziemlich am Anfang fragte der Referent danach, worum es letztlich an der Börse geht. Zunächst kamen verschiedene Antworten aus dem Publikum. Dann eine kurze Pause.

Schließlich nannte der Referent das, was er selbst als Ziel ansah: Das Gefühl von Freiheit zu erlangen. Sicherheit und Selbstbestimmung durch finanzielle Unabhängigkeit. Klingt gut, oder?

Aber da habe ich schlechte Nachrichten: So funktioniert das leider nicht. In diesem Beitrag möchte ich erklären zeigen, warum.

Im Januar führte ich ein spannendes Interview mit der Psychologin Monika Müller. [1] Ich war extra nach Wiesbaden gefahren und hatte mir viel Zeit genommen, um möglichst tiefgründig mit ihr über die Themen Geld und Risiko zu sprechen. Und das hat sich gelohnt.

Die klassische Denkweise funktioniert wie folgt: „Ich möchte an der Börse möglichst schnell viel Geld verdienen, um dann endlich frei sein und mich sicher fühlen zu können.“

Das Problem dabei: Wir machen Geld zur Bedingung, um uns frei oder sicher fühlen zu können. Es wird zur Projektionsfläche und soll uns so Freiheit und Sicherheit ermöglichen.

Im Umkehrschluss heißt das: Wir fühlen uns momentan, also ohne (viel) Geld, nicht frei und sicher. Erst dann, wenn wir viel Geld verdient haben, rechnen wir mit dem Gefühl der Freiheit und Sicherheit. So machen wir jedoch unser Lebensglück mental vom Geld abhängig.

Wie lässt sich dieses Problem lösen? Monika Müller rät zu einem Perspektivenwechsel, indem wir lernen, komplett andersherum zu denken:

„Ich fühle mich sicher und frei. Und deswegen kann und möchte ich traden.“ (Monika Müller)

 

Wenn man dieses Denken verinnerlicht, ist das eine viel bessere Basis für Trading-Erfolg. Denn es nimmt uns den Druck, unsere positiven Gefühle erst durch Geld erreichen zu wollen. Auf diese Weise sind wir zufriedener mit unserem Leben im aktuellen Moment, was auf lange Sicht einen großen Unterschied an Lebensfreude ausmacht.

Leider lernen wir meist schon als kleine Kinder, dass Geld uns frei und sicher macht. Dadurch ist dieses Denken tief in uns verwurzelt. Monika Müller sieht das als großes gesellschaftliches Problem, das es uns erschwert, glücklich zu sein und im Hier und Jetzt zu leben.

Doch genau darauf kommt es an. Geld kann uns nicht sicher und frei machen. Wir müssen von uns aus das Gefühl entwickeln, sicher und frei zu sein. Hier und Jetzt. Nicht irgendwann in der Zukunft. Wenn wir das wirklich glauben – und nicht nur wissen – , dann kann es den entscheidenden Unterschied ausmachen, emotional unbeschwerter zu traden und so die richtigen Entscheidungen zu treffen.

„Wer ohne Geld nicht frei ist, wird es auch mit Geld niemals sein.“ (Monika Müller)

 

Aber was wäre, wenn Geld uns doch frei und sicher macht? Wenn wir es dann irgendwann wirklich schaffen, im Trading ein paar Millionen Euro anzuhäufen? Werden wir uns dann wirklich sicher und frei fühlen?

Oder dominiert statt dessen vielleicht die Angst, das Geld wieder zu verlieren? Die Angst, unsere mühsam erarbeitete Sicherheit und Freiheit wieder einzubüßen? Wäre diese Situation denn wirklich das „ultimative Trading-Ziel“, nach dem wir immer gesucht haben? Ziemlich nicht nicht.

„Wer ohne Geld nicht frei ist, wird es auch mit Geld niemals sein.“ Dieses Zitat aus dem Interview wird mir deshalb immer im Gedächtnis bleiben. Man muss sich unabhängig von den Umständen frei fühlen, sonst wird man auch als reicher Mensch immer unzufrieden sein und entweder nicht genug Geld haben oder Angst, es wieder zu verlieren.

Trading macht uns nicht frei. Es ist etwas, für das wir uns bewusst entscheiden können, weil wir frei sind.

Daher ist es anfangs auch egal, ob man im Trading Geld verdient oder nicht. Die Arbeit an sich muss Spaß machen. Den Prozess und die Strategien umzusetzen. Man muss die Herausforderung lieben. Selbst dann, wenn man keine Gewinne einfährt oder gar Verluste macht. So lässt sich gutes Trading auch langfristig durchhalten.

Wer das nicht tut und nur des Geldes wegen tradet, wird sich am Ende sogar unfreier fühlen. Denn Trading ist mit Analysearbeit verbunden, die unsere Freiheit einschränkt, wenn wir es nicht wirklich gern tun. Und wir werden uns dann noch unfreier fühlen, wenn wir Geld verlieren. Aber selbst, wenn wir Geld verdienen, sind wir mit diesem Denken letztlich nur erfolgreiche Getriebene.

Versuch einfach mal, zu verinnerlichen, dass du sicher und frei bist. Völlig unabhängig vom Geld. Entscheide dann, ob du traden möchtest oder nicht. Dieses Denken war für mich die wichtigste Erkenntnis aus dem Interview – und vielleicht eine der wichtigsten im Trading überhaupt!

Quellen:

[1] Gränitz, M. (2015), Wie das Denken über Geld und Risiko Ihren Erfolg bestimmt, Interview mit Monika Müller, TRADERS´ 04/2015, S. 90-94.

2 Kommentare zu Warum Trading keine Freiheit bringt (und wie es wirklich klappt)

  1. Nicht schlecht! Das ist genau der richtige Ansatz! Jedoch für sehr viele Trader nicht einfach umzusetzen. Da sehr wahrscheinlich viele nur um des schnellen Geldes wegen traden… Auf der Suche nach der besten Strategie, die Zeit damit verschwenden… Ein besserer Weg ist an seiner Einstellung zum Trading zu arbeiten, dann an der Strategie, die unausweichlich als wichtigen Bestandteil die Akzeptanz des Verlustes haben muss. Sonst taugt sie nicht zum Gewinnen. Beides Hand in Hand und den Focus auf ein Gutes Gewinn- Verlust Verhältnis, bringt den Trader zum Erfolg. Nicht die Wunderstrategie, nicht der heilige Gral.
    Ein toller Beitrag von meinem „Vor-Redner“ das bringt es auf den Punkt.

  2. MarkoMarko sagt:

    Hey Thomas, danke dir 🙂 Was mir übrigens noch einfällt, was sie noch gutes gesagt hat: Wenn wir im Trading emotional werden oder von unserem Prozess abweichen wollen, hilft es manchmal, wenn wir uns unser Denken bewusst machen. Und zwar mit der Frage „Will ich so denken?“ Denn wie schon Norman Welz im Buch „Trading Psychologie“ schreibt, müssen wir nicht alles glauben, was wir denken.

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