Wettkampfbericht Ironman 70.3 WM Zell am See

Endlich im Ziel! Bildquelle: www.finisherpix.com

Endlich im Ziel! Bildquelle: www.finisherpix.com

 

Was für ein Wochenende! Schon am Donnerstag ging es von Würzburg mit dem Zug nach Zell am See. Inklusive Rad und allem Gepäck. Erst mit dem IC nach Freilassing und dann mit der S3 nach Zell am See.

Ich war rund 8 Stunden unterwegs. Eine halbe Weltreise sozusagen. Zum Akklimatisieren ging ich gleich abends noch joggen, eine Runde um den See. Danach saßen wir bis spät abends zum Quatschen in unserer Unterkunft, einer kleinen Ferienwohnung, die wir von Donnerstag bis Montag organisiert hatten. Danke nochmal an Kerstin dafür, super Lage und vernünftiger Preis!

Insgesamt waren wir dort zu sechst: Kerstin & ihr Mann Gerhard, meine Kumpels Thomas und Markus sowie Michaela und ich.

 

Beim Checkin, von rechts nach links: Markus, Thomas, Kerstin, Marko

Beim Checkin, von rechts nach links: Markus, Thomas, Kerstin, Marko

 

Am Freitag ging es dann zur Messe. Dort holten wir die Startunterlagen ab und schauten den ganzen Kram an, den man so kaufen konnte. Was für ein Geschäft, diese Ironman-Events. Es gibt echt jeden Mist, sogar Babystrampler mit Ironman-Logo…

Freitagabend war die große Eröffnungsfeier. Es gab eine Bühnenshow, ein paar Videos und anschließend eine kurze Wettkampfbesprechung. Dazu recht gutes Essen, war ein schöner Abend!

Samstag fand der erste Wettkampf statt. Denn in Zell am See gibt es jedes Jahr einen Ironman 70.3 – die WM ist diesmal nur zusätzlich dort. Wir schauten an der Strecke zu und feuerten ein paar Freunde an, die an diesem Tag starteten. Zwischendurch legte ich die Beine hoch und gönnte mir noch eine Pizza, bevor es dann am frühen Abend zum Einchecken der Räder und Wechselbeutel ging.

 

Wechselzone vor genialer Kulisse

Wechselzone vor genialer Kulisse

 

Sonntag früh war es dann soweit. Da der Start erst ab 10:45 Uhr in Wellen erfolgte, hatten wir genug Zeit, um in Ruhe zu frühstücken und zum Start zu laufen. Unsere Unterkunft war super gelegen, nur rund 1 km bis zum Start. Dann alles wie immer: Rad aufpumpen, Gels in die Trinkflasche drücken, Wechselbeutel checken, Neo an ziehen, einschwimmen, und ab zum Start. Diesmal hatte ich mir den Nacken getapt, um dort nicht wieder eine Scheuerwunde im zu bekommen.

 

Die Schwimmstrecke: Immer entlang der Bojen, hin & zurück 1,9 km

Die Schwimmstrecke: Immer entlang der Bojen, hin & zurück 1,9 km

 

Die Profi-Männer starteten um 10:45 Uhr, die Profi-Frauen um 10:48 Uhr. Danach zwei weitere Startwellen. Und dann war ich dran – um 11:04 fiel der Startschuss für die Altersklasse M30, wahrscheinlich die größte Gruppe des Tages. Entsprechend hart ging es beim Start zu, und ich musste ganz schön einstecken. Nach ein paar „normalen“ Schlägen am Kopf und Rumpf bekam ich einen heftigen Schlag gegen den Unterkiefer. Erst dachte ich, es hätte meine Zähne erwischt, weil ich Blut im Mund hatte – aber es war zum Glück nur die Zunge, die zwischen den Zähnen aufgeplatzt war. Das ließ sich verschmerzen.

 

Tumult und Prügelei beim Schwimmstart

Tumult und Prügelei beim Schwimmstart

 

Es war die brutalste Startphase, die ich bisher bei einem Triathlon mitgemacht habe. Erst nach etwa der halben Strecke hatte sich das Feld soweit entzerrt, dass ich halbwegs normal schwimmen konnte.

Dann raus aus dem See und ab in die Wechelzone zum Rad. Die Wege waren weit und es gab lange Wechselzeiten. Die Radstrecke war anfangs ziemlich eng und es war kaum möglich, Vollgas zu fahren. Erst nach ein paar Kilometern wurde das besser und es begann, schön zu rollen. Noch vor dem großen Anstieg hörte ich knapp hinter mir einen Sturz – ein Athlet war mit seinem Vorderrad gegen das Hinterrad seines Vordermanns gefahren. Entweder hatte er zu knapp überholt oder er war im Windschatten gefahren. Überhaupt habe ich einige gesehen, die längere Zeit im Windschatten hingen. Auch ich hatte über weite Strecken einen Athleten permanent „an der Backe“. Da hätten die Wettkampfrichter ruhig mal durchgreifen können.

Der lange Anstieg bis Kilometer 35 hatte es in sich. Erst relativ flach, aber stetig steigend über rund 10 km Länge. Und dann ab dem Ort Dienten etwa 2 km richtig steil bis zur Spitze. Zum ersten Mal habe ich dort Athleten (Männer!) gesehen, die tatsächlich abgestiegen sind und ihr Rad schieben mussten. Einer hat dazu sogar seine Radschuhe ausgezogen. Unglaublich. Ich hatte einen ganz guten Rhythmus und konnte an dieser Rampe einige Plätze gutmachen.

Auf der anschließenden Abfahrt hatte ich wie immer keine Angst und ließ es ordentlich rollen. Die Bergkulisse war fantastisch, nur leider war keine Zeit zum Staunen. Wieder konnte ich Plätze gewinnen, da einige Athleten etwas übervorsichtig unterwegs waren. Der Rest der Strecke war dann relativ flach und unspektakulär und ich konnte relativ konstant mit gutem Druck bis zur Wechselzone fahren.

 

Super organisiert: Bei den Wechseln klappte alles perfekt

Super organisiert: Bei den Wechseln klappte alles perfekt

 

Bei den ersten Schritten in den Laufschuhen spürte ich schon, dass es heute hart werden würde. Seit dem Ermüdungsbruch im Juni hatte ich wochenlang keinen richtigen Laufrhythmus mehr gefunden. Und heute, bei fast 35 Grad und Sonne, sollte es nicht besser werden.

Ich hatte mir das Ziel gesetzt, unbedingt zu finishen. Kein Risiko mehr eingehen, total einzubrechen oder mich wieder beim Laufen zu verletzten. Daher versuchte ich, auf der Laufstrecke konstant mit möglichst hoher Schrittfrequenz durchzukommen, ohne bis ans Limit zu gehen. Auch vom Kopf her fiel es mir schwer, mich wirklich zu quälen – zu lang war die Saison, ich fühlte mich ausgebrannt.

Und so spulte ich ganz kontrolliert Kilometer um Kilometer ab. Ohne wirkliche Tiefs, aber auch nicht gerade schnell. Dabei wurden alle Athleten schön von der Sonne durchgebraten, denn während des Laufs war es gerade die heißeste Zeit des Tages.

An jeder Verpflegungsstation das gleiche Prozedere, ohne dabei anzuhalten: Wasser über den Kopf, Cola und Wasser gemischt trinken, dann nochmal Schwamm oder Eis auf den Kopf und weiter gings. Ich war total durchgeweicht – anders ließ sich die Hitze einfach nicht bekämpfen. Da das Wasser aber bis in die Schuhe lief, wurden diese immer schwerer – nicht gerade ein Vorteil, wenn man schnell laufen möchte. Immerhin schaffte ich es, zwischendurch nicht gehen zu müssen, wie so mancher Athlet an den Steigungen der Laufstrecke.

Und ich konnte beim Laufen sehen, dass Jan Frodeno das Rennen wohl gewinnen würde. Vor Sebastian Kienle (deutscher Doppelsieg) und Javier Gómez. Und ich konnte meine Kumpels Thomas und Markus sehen, die später beide Vizeweltmeister (!) in ihren Altersklassen (M20 und M30) wurden. Sensationell Jungs, habe mich super für euch gefreut, meinen absoluten Respekt für diese Wahnsinnsleistung!

 

Endlich geschafft - die letzten Meter im Zielkanal waren zum Genießen!

Endlich geschafft – die letzten Meter im Zielkanal waren zum Genießen!

 

Die letzten 100 Meter nahm ich das Tempo raus und versuchte, den Zieleinlauf zu genießen. Endlich war es vorbei – das Rennen, die Quälerei, die Saison. Vor mir lief ein Kanadier mit einer riesigen Zielflagge. Es war ein toller Moment. So viele Nationen, angereist aus aller Welt, um sich hier zu messen. Und ich selbst mittendrin, wenn auch weit weg von den Top-Platzierungen. Ein Event, an das ich mich noch lange erinnern werde!

Im Ziel gabs dann eine fette Medaille. Noch wichtiger war mir aber der dicke Wasserschlauch, mit dem man sich schön von Kopf bis Fuß eiskalt abduschen konnte. Und endlich trinken, trinken, trinken! Dann flach auf den Boden legen und ein bisschen runterkommen, bevor es in die Zielhalle ging. Dort gab es Finisher-Shirts, richtig gutes Essen und Massagen, bei denen allerdings schon zu viele Athleten anstanden.

 

Finisher-Party und Siegerehrung

Finisher-Party und Siegerehrung

 

Abends ging es dann noch zur Finisher-Party. Dort gab es wieder gutes Essen, ein tolles Bühnenprogramm und natürlich die Siegerehrungen der Altersklassen und der Profis. Leider waren Thomas und Markus nicht da, um ihre fetten Pokale als Vizeweltmeister abzuholen. Markus war im Ziel zusammenbrochen und musste über Nacht im Krankenhaus bleiben, und Thomas kümmerte sich um seine Sachen (Rad auschecken, Wechselbeutel). Echt schade, dass wir den super Erfolg nicht feiern konnten.

Am Montag ging es dann zurück nach Würzburg. Diesmal mit dem Auto. Doch auch dieser Tag sollte ein langer werden – nach kurzer Fahrt hatten wir einen Motorschaden und mussten das Auto abschleppen lassen. Weiter ging es dann ein paar Stunden später nach langem hin und her mit der Versicherung per Taxi nach Rosenheim und dann mit einem Leihwagen nach Würzburg.

 

Michas Golf hat auch schlapp gemacht. Aber wenn schon Motorschaden, dann wenigstens vor toller Kulisse...

Michas Golf hat auch schlapp gemacht. Aber wenn schon Motorschaden, dann wenigstens vor toller Kulisse…

 

Es lief also wieder mal nicht alles glatt. Aber egal. Es hat sich trotzdem gelohnt! Ein super Event, perfekt organisiert, mit sensationeller Stimmung. Und vor allem ein paar schöne Tage mit Freunden.

Die WM war ein Investment an Zeit und Energie, auf das ich gerne zurückschaue. Denn das, was bleibt, sind die Erinnerungen an eine tolle Weltmeisterschaft.

Jetzt geht es in die verdiente Saisonpause. Vielen Dank an dieser Stelle nochmals an meinen Sponsor WH SelfInvest für die Unterstützung!

Hier zum Abschluss noch meine Zeiten:

Swim (1,9 km) — 31:09

Bike (90 km) — 2:26:23

Run (21,1 km) — 1:38:05

Gesamt 4:44:44

Platz 296 Männer gesamt

Platz 48 Altersklasse M30

 

PS: Ja, ich habe extra langsam gemacht beim Halbmarathon, um genau auf die Zielzeit von 4:44:44 zu kommen 🙂

5 Kommentare zu Wettkampfbericht Ironman 70.3 WM Zell am See

  1. André sagt:

    Glückwunsch ! und eine Zeit wo du mal einen ausgeben musst

  2. Jan sagt:

    Auch von mir Glückwunsch! und wenn Du eine Runde schmeißt, bin ich natürlich auch dabei… 🙂

  3. Ludger sagt:

    Marko, du bist unmöglich. Kaut sich die Zunge ab und sagt sowas wie, besser als Zahn kaputt. Herzlichen Glückwunsch zu der Leistung bei dem Wetter!!! Den Trick mit dem Tape werde ich übernehmen. Danke. Fröhliches Entspannen.

  4. MarkoMarko sagt:

    Hey dank euch! Ja in Runde Bier geht doch immer, vor allem in der Off Season.

  5. Viktoria sagt:

    Wunderbar, gratuliere dir recht herzlich! Da ich aus Österreich komme, haben wir zu Hause die WM im Fernsehn verfolgt. Kann mir vorstellen, dass gerade die Radstrecke sehr anspruchsvoll war. Gute Erholung!

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