Quantitative Erkenntnisse zu Momentum

Der US-Vermögensverwalter Hartford Investment Management Company (HIMCO) hat Untersuchungen von Paul Bukowski veröffentlicht, die spannende Erkenntnisse zum Momentum-Effekt beinhalten. Analysiert wurden US-Aktien im Zeitraum 1990-2017. In diesem Beitrag greife ich die wichtigsten Ergebnisse heraus.

1) Momentum-Bewegungen inklusive Ranking-Periode schwächen sich etwa 15 Monate nach Beginn systematisch ab und kehren sich um. Das bestätigt, dass Momentum nur mittelfristig gut funktioniert.

 

Momentum Bewegung Dauer Phase Monate
Die Grafik zeigt den Verlauf der durchschnittlichen Momentum-Renditen (Top/Flop 20%) für verschiedene Ranking-Perioden auf einer einheitlichen Zeitachse seit Beginn der Momentum-Bewegung. Es wird deutlich, dass etwa 15 Monate nach Beginn der Momentum-Phase eine systematische Abschwächung und Umkehr des Effekts auftritt. Quelle: Bukowski (2018).

 

2) Eine Schlussfolgerung aus der ersten Erkenntnis ist, dass Momentum-Strategien mit langen (kurzen) Ranking-Perioden besser funktionieren, wenn die Haltedauer kurz (lang) ist. Der ideale Zeitrahmen ist den Untersuchungen zufolge eine Ranking-Periode von 7 Monaten und eine Holding-Periode von 9 Monaten.

 

Momentum Rendite höchste maximal Ranking Holding Periode
Die höchsten absoluten Momentum-Renditen (Top/Flop 20%) erzielt eine Strategie, die Aktien über 7 Monate rankt und dann für 9 Monate hält. Quelle: Bukowski (2018).

 

3) Bei Anwendung von Momentum auf das Universum aller Aktien ergeben sich die höchsten Renditen, aber auch die höchsten Volatilitäten. Werden die Rankings dagegen für Sub-Industrien eingesetzt, sind die Renditen und Volatilitäten am niedrigsten. Die optimalen Sharpe Ratios ergeben sich bei Anwendung auf der obersten Sektorebene.

4) Viele Momentum-Rankings werden von Aktien mit hohem Beta oder hoher Volatilität dominiert. Eine Bereinigung der Aktienrenditen um diese Effekte ermöglicht ein Ranking nach „purem Momentum“, was der Studie zufolge moderat höhere Renditen verspricht.

5) Extremere Momentum-Portfolios erzielen höhere Renditen. Meinen eigenen Rückrechnungen zufolge setzt sich das in der Spitze der Verteilung zunehmend fort (Top/Flop 5% bis Top/Flop 1%).

6) Der Momentum-Effekt ist für riskantere Aktien stärker. Das gilt insbesondere für Small Caps (Russell 2000 vs. Russell 1000) und Wachstumsaktien (Growth vs. Value).

7) Die Outperformance der stärksten Aktien ist geringer als die Underperformance der schwächsten Aktien – auch das ist ein interessantes Ergebnis.

 

Fazit

Momentum hält insgesamt für rund 15 Monate an. Aus Renditesicht erscheint dabei eine 7/9-Strategie optimal.

 

Quelle: Bukowski, P. (2018), HIMCO Quantitative Insights Mai 2018

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert