Kurzfristiges Momentum

Aktien mit kurzfristigem Momentum (1 Monat) und gleichzeitig hohem Handelsvolumen zeigen kein klassisches kurzfristiges Reversal, sondern anhaltendes Momentum. Im Gegensatz dazu weisen Aktien mit kurzfristigem Momentum, aber niedrigem Handelsvolumen ein besonders deutliches Reversal auf. Erstaunlich ist dabei, dass sich diese Effekte nicht anhand von Risikofaktoren wie klassischem Momentum oder Reversal erklären lassen. Weiterhin hält der kurzfristige Momentum-Effekt für bis zu 12 Monate an und fällt zudem für Large Caps stärker aus als für kleinere Aktien. Die Forscher untersuchen dieses am US-Markt gefundene Muster an 22 weiteren internationalen Märkten und kommen dort zu ähnlichen Ergebnissen.

Das Erklärungsmodell der Autoren basiert auf dem Handelsvolumen als entscheidendes Maß für den Grad an Meinungsverschiedenheiten unter den Marktteilnehmern. Beispielsweise ist das Volumen immer dann besonders hoch, wenn am Markt starke Uneinigkeit herrscht, da die verschiedenen Akteure dann entsprechend ihrer jeweiligen Informationen vermehrt handeln. Das ist wiederum ein Indikator für anhaltende Momentum-Bewegungen, da es in dieser Situation mit hoher Wahrscheinlichkeit neue (fundamentale) Informationen gibt, die aber wiederum aufgrund der Uneinigkeit erst über längere Zeit vollständig in den Kurs eingepreist werden. Bei niedrigem Volumen ist umgekehrt zu vermuten, dass geringe Uneinigkeit herrscht und es entsprechend keine nennenswerten neuen Informationen gibt. Demzufolge basiert die Bewegung in diesem Fall eher auf Noise Trading und bildet sich wieder zurück (Reversal). Insgesamt lässt sich demnach also auf Basis des jeweiligen Handelsvolumens zwischen Momentum und Reversal unterscheiden. Die Autoren sehen darin zwei konkurrierende Faktoren, die dafür sorgen, dass sich die Renditen je nach gegebenen Rahmenbedingungen für verschiedene Aktien im Anschluss an kurzfristige Momentum-Bewegungen in entgegengesetzte Richtungen entwickeln können.

In der Studie werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Beispielsweise lassen die Forscher die letzten 3 Tage jedes Monats, in denen überwiegend liquiditätsgetriebene Rebalancing-Transaktionen zu erwarten sind, im Ranking außen vor. Dadurch verstärkt sich das Momentum deutlich. Umgekehrt wird das Reversal deutlich stärker, wenn man nur auf Basis der letzten 3 Handelstage eines Monats rankt. In einem weiteren Test wird die Dispersion von Analystenschätzungen als dritter Ranking-Parameter in die Untersuchungen einbezogen. Aktien mit hoher (geringer) Dispersion zeigen hier ein entsprechend stärkeres Momentum (Reversal). Außerdem zeigt sich, dass der kurzfristige Momentum-Effekt ein wesentlich geringeres Crash-Risiko aufweist als das klassische Momentum. Die Autoren untersuchen auch, ob der Post-Earnings-Announcement-Drift oder Industry Momentum die Ergebnisse erklären können, was aber nicht der Fall ist.

 

kurzfristig Momentum Reversal Handelsvolumen Volumen

Dargestellt sind die durchschnittlichen kumulativen Renditen für den kurzfristigen Momentum- und Reversal-Effekt am US-Markt. Basis der Berechnungen ist ein Doppelranking nach Rendite und Handelsvolumen (jeweils Top/Flop 10%). Zeitraum: 1963-2016.

 

 

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Die Grafik zeigt die Sharpe Ratios des kurzfristigen Momentum- und Reversal-Effekts für 22 internationale Märkte. Zeitraum: 1993-2016.

 

Fazit

Kurzfristige Momentum-Aktien mit hohem (niedrigem) Handelsvolumen bilden anhaltendes Momentum (ein deutliches Reversal) aus.

 

Quelle: Medhat, M. / Schmeling, M. (2018), Short-term Momentum, University of London Cass Business School & Goethe University Frankfurt and Centre for Economic Policy Research (CEPR)

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