Das Paper „Bitcoin as a Safe Haven“ wurde im Jahr 2018 publiziert. [1] Es analysiert, ob der Begriff „sicherer Hafen“ für Investments in Bitcoin zutreffend sein kann. Traditionelle sichere Häfen wie Gold, Cash oder Staatsanleihen weisen in turbulenten Zeiten eine negative Korrelation oder Null-Korrelation zum Aktienmarkt auf. Bitcoin hat dagegen schon in normalen Marktphasen eine hohe Volatilität, geringe Liquidität und weist hohe Transaktionskosten auf.
Zudem wird diskutiert, was Bitcoin überhaupt darstellt – eine Währung, ein Investment wie Gold oder ein bloßes Spekulationsobjekt? Zentralbanker lehnen die Klassifikation als Währung mangels eines nennenswerten Anteils am tatsächlichen Transaktionsvolumen von Konsumenten ab. Fraglich ist auch, ob Bitcoin überhaupt die Kriterien für eine Währung erfüllt (Tauschmittel, Recheneinheit, Wertaufbewahrung). Wahrscheinlich überwiegt der Spekulationsgedanke, während der Einsatz als Tauschmittel vor allem bei illegalen Geschäften erfolgt.

Zwar kommen Rückrechnungen zu dem Ergebnis, dass Portfolios durch eine Beimischung von Bitcoin effizienter und besser diversifiziert sind. Die hohen historischen Renditen würden zudem für die hohe Volatilität entschädigen. Allerdings liegt dem eine kurze, wenig repräsentative Historie zugrunde. Je nach weiterer Kursentwicklung könnten die Schlussfolgerungen schnell ganz anders sein. Überhaupt hat es seit dem offiziellen Beginn der Bitcoin-Historie im Jahr 2011 nur wenige große Turbulenzen am Aktienmarkt gegeben. Es ist also fraglich, ob sich heute schon schlüssige Aussagen zu Korrelationen und den daraus resultierenden Portfolioeffekten treffen lassen.
Weiterhin herrscht generelle Uneinigkeit über den inneren Wert von Bitcoin. Während einige Anleger weitere deutliche Kurssteigerungen erwarten, gehen namhafte Akademiker wie Eugene Fama, Praktiker wie Warren Buffett sowie verschiedene Fondsmanager davon aus, dass der wahre innere Wert null beträgt. Die extremen Diskrepanzen sind darauf zurückzuführen, dass es bisher keinen anerkannten Maßstab zur Bewertung von Bitcoin gibt. Hinzu kommen grundsätzliche Sicherheitsbedenken, die aus Anlegersicht dem Verständnis als sicherer Hafen widersprechen.
Insgesamt ist die Studie wenig zuversichtlich, dass sich Bitcoin heute oder in naher Zukunft als sicherer Hafen bei Marktturbulenzen bewährt. Es könnte sein, dass sich die größten Probleme mit diesem Instrument erst in der nächsten Krise offenbaren.
Fazit
Es ist nicht damit zu rechnen, dass sich Bitcoin bei Marktturbulenzen als sicherer Hafen erweist.
Quelle:
[1] Smales, L. A. (2018), Bitcoin as a Safe Haven: Is It Even Worth Considering?, University of Western Australia