Der Momentum-Begriffsdschungel

Momentum ist ein Begriff, der vielfältig verwendet wird und manchmal etwas Verwirrung verursacht. Grundsätzlich gibt es zwei Arten, wie man es an den Märkten messen kann. Entweder im Vergleich vieler Aktien untereinander (Querschnittsbetrachtung bzw. relatives Momentum) oder eines Wertes zu sich selbst (Zeitreihenbetrachtung bzw. absolutes Momentum):

● Cross Sectional Momentum basiert auf der Annahme, dass sich die relativen Trends der jüngsten Vergangenheit fortsetzen. Die Strategie ist Long (Short) in Werten, die eine Outperformance (Underperformance) aufweisen. Der Ansatz ist marktneutral (Alpha-Strategie) und wird als Winner-Minus-Loser (WML) Portfolio bezeichnet. Die Performance soll demnach aus der Renditedifferenz beider Portfolios resultieren. In der Praxis wird diese Strategie auf möglichst homogene Aktien eines Index oder einer Region angewendet, die eine hohe positive Korrelation zueinander aufweisen.

● Time Series Momentum basiert auf der Annahme, dass sich die absoluten Trends der jüngsten Vergangenheit fortsetzen. Die Strategie ist Long (Short) in Werten, die eine aufwärts (abwärts) gerichtete Bewegungsrichtung aufweisen. Der Ansatz hat einen Long- oder Short-Bias (Beta-Strategie) und wird als klassische Trendfolge bezeichnet. Die absolute Performance soll demnach sowohl aus Long- als auch aus Short-Positionen resultieren. In der Praxis wird diese Strategie mit Futures auf möglichst heterogene Anlageklassen angewendet, deren Korrelation zueinander gering ist bzw. nahe null liegt.

 

Auf diesem Blog geht es überwiegend (wenn nichts anderes dabei steht) um Cross Sectional Momentum. Man rankt zum Beispiel die Aktien des S&P 500 über sechs Monate, geht in den Top (Flop) zehn Prozent der Titel long (short) und hält die Portfolios für drei Monate. Bei diesem Beispiel handelt es sich um eine 6-3-Strategie. Wenn noch ein Monat Abstand zwischen Ranking- und Halte-Periode liegt, um kurzfristige Reversals zu vermeiden, ist es eine 6-1-3 Strategie. Nach diesem Muster lassen sich verschiedene Ranking- und Halteperioden kurz und treffend bezeichnen.

 

Schema Cross Sectional Momentum Strategie
Schematische Darstellung einer Cross-Sectional 6-3-Strategie.

 

Aus einer reinen Querschnittsbetrachtung lässt sich allerdings nicht auf die Stärke des absoluten Kurstrends schließen. Dies hängt davon ab, ob gerade ein Bullen- oder Bärenmarkt vorherrscht und wie stark das positive oder negative Zeitreihenmomentum der anderen Aktien ist.

Der Ansatz des Dual Momentum kombiniert Cross Sectional- und Time Series Momentum und fordert, dass Long-Positionen (Short-Positionen) nur in Werten eingegangen werden, die einen Aufwärtstrend (Abwärtstrend) aufweisen und gleichzeitig outperformen (underperformen).

Vielen Privatanlegern ist der Begriff Momentum auch aus der Technischen Analyse bekannt. Dabei handelt es sich meist um konkrete Ansätze aus dem Bereich des Time Series Momentum, die im Rahmen eines ganzheitlichen Trendfolge-Modells eingesetzt werden können:

● Momentum (MOM) als Indikator ist das Ratio aus aktuellem Kurs zum Kurs vor X Perioden

● Relative Stärke nach Levy (RSL) ist das Ratio aus aktuellem Kurs zum Durchschnitt über X Perioden

● Der Relative Stärke Index (RSI) als Stärke von Kursgewinnen relativ zu Kursverlusten über X Perioden

 

Fazit

Momentum gibt es als Querschnittsbetrachtung (Performance-Ranking bei Aktien) sowie als Zeitreihenansatz (klassische Trendfolge mit Futures).

2 thoughts on “Der Momentum-Begriffsdschungel”

  1. Hallo Marko, wirklich ein sehr gut geschriebener Text, der das wichtigste auf den Punkt bringt.
    Ich schreibe gerade meine Bachelorarbeit, die unteranderem auch das Time-Series-Momentum und das Cross-Sectional-Momentum beinhaltet. Hast du zu diesem Text ggf. weitere Quellen, die du empfehlen kannst?
    Danke im Voraus!

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