Warum Kurse schnell fallen und langsam steigen

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Jeder, der sich eine Weile mit der Börse beschäftigt, hat das schon beobachtet: Stück für Stück steigen die Kurse einer Aktie oder eines Index über längere Zeit an. Manchmal scheinbar in Zeitlupe. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Dann kommt es plötzlich zu einer Bewegung nach unten. Und die fällt oft viel schneller und heftiger aus als der vorherige Kursanstieg. Innerhalb kürzester Zeit wird eine Kursspanne abverkauft, für die es beim Anstieg eine viel längere Zeit brauchte.

Dieses Verhalten ist typisch für den Aktienmarkt. Nach oben auf der Treppe, nach unten mit dem Aufzug. Und es gibt gute Gründe, warum das so ist:

● Schlechte Nachrichten verbreiten sich schneller als gute. Entsprechend ist davon auszugehen, dass schlechte Nachrichten – wenn sie erstmal in Umlauf kommen – auch schneller eingepreist werden.

● Vertrauen entsteht langsam und verschwindet schnell. Anleger, die ihr Geld in Fonds gesteckt haben, ziehen es in Verlustphasen oft wieder ab. Dieses Verhalten zwingt den Fondsmanager, Positionen zu ungünstigen Zeitpunkten (nämlich nach Kursverlusten) zu verkaufen, um die Anleger auszahlen zu können. Aus diesem Verkaufsdruck können sich weitere Kursverluste ergeben, die wiederum Anleger zum Ausstieg motivieren usw.

● Für neue Aktienkäufe bei steigenden Kursen ist zunehmend mehr Cash nötig, um die Positionen erwerben zu können. Das Aufbringen dieser Mittel bedarf häufig einer bestimmten Zeit (zum Beispiel für das Sparen vom Gehalt etc). Käufe sind für viele Anleger daher nur sukzessive im Zeitablauf möglich. Verkäufe dagegen sind sofort umsetzbar, da hierfür kein Cash nötig ist. Es kann also oft nur langsam gekauft, aber stets schnell verkauft werden.

● Die meisten Anleger sind long positioniert und erwarten steigende Kurse. Einige dieser Anleger sichern ihre Positionen nach unten hin durch Stopps ab, bei deren Erreichen die Aktien automatisch verkauft werden. Liegen viele solcher Stopps an markanten technischen Levels, so kann durch deren Auslösen eine weitere Abwärtswelle entstehen.

● Es ist kein Geheimnis, dass die Kurse schneller steigen als sie fallen. Gibt es also eine starke Abwärtsbewegung, werden alle vorsichtiger. Problematisch wird es, wenn zusätzlich Liquiditätsengpässe wie etwa zu Weihnachten 2018 auftreten. Dann steigt die Gefahr, dass sich einzelne Marktteilnehmer in die Ecke gedrängt fühlen und in Panik verfallen („Verkaufen um jeden Preis“).

● Ein schneller, starker Kursrutsch kann bei immer mehr Anlegern zu Angst oder gar Panik führen. So kann ein Teufelskreis entstehen, bei dem sich die soeben genannten Faktoren gegenseitig verstärken. Im schlimmsten Fall kommt es zu einem Crash. Wenn das passiert, liegt in der Regel eine hervorragende Kaufgelegenheit vor.

 

Fazit

Wer diese Mechanismen versteht, kann sich dagegen wappnen, selbst in Angst und Panik zu verfallen und zum Opfer des Teufelskreises zu werden.

Quellen:

[1] Pedersen, L. H. (2015), Efficiently Inefficient, How Smart Money Invests & Market Prices are Determined, Princeton University Press

4 Kommentare zu Warum Kurse schnell fallen und langsam steigen

  1. bemerken sollte man jedoch, dass über 90% des börsenhandels nicht von privatanlegern oder fondsmanagern getätigt wird, sondern von computerprogrammen, die vollautomatisiert handeln.
    kostolany sagte immer: „10% sind fakten u zahlen, der rest ist psychologie“
    in wieweit das in zeiten des computerhandels noch gilt bleibt fraglich.

  2. Avatarleo sagt:

    Wie immer ein klasse Beitrag von Dir anhand echtem Mehrwert

  3. MarkoMarko sagt:

    Danke! Was man übrigens noch ergänzen kann ist, dass deswegen Put-Prämien höher als Call-Prämien sind.

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