Alpha-Verfall im Zeitablauf

In der Studie „Alpha Decay“ nutzen Forscher einen Datensatz mit mehr als 700 institutionellen Long-only-Portfolios mit verwalteten Vermögen zwischen 9 Millionen und 14 Milliarden US-Dollar. Die Daten stammen aus dem Zeitraum von 2001 bis 2013 und beinhalten jeden einzelnen Trade, alle Positionen auf Tagesbasis und die jeweilige Benchmark. Insgesamt sind 1,15 Millionen Transaktionen aus verschiedenen Ländern, vor allem den USA, Großbritannien und Japan enthalten. Den Autoren zufolge ist es die bisher umfassendste Analyse des institutionellen Handelsverhaltens.

Die zentrale Erkenntnis: Das Alpha neuer Aktienpositionen wird innerhalb von 12 Monaten mit degressivem Verlauf in die Kurse eingepreist. Dabei beträgt die Halbwertszeit rund 4 Monate. Eine anschließende Umkehr des Effekts ist nicht zu beobachten. Das bedeutet, dass die Portfoliomanager das Alpha von Aktien kurz- und mittelfristig richtig prognostizieren. Interessant ist auch, dass sie trotz des auf 12 Monate begrenzten Alphas auf längerfristige Positionen setzen. Der Studie nach beträgt die durchschnittliche Haltedauer immerhin 2,24 Jahre.

Der Aufbau der Positionen erfolgt dabei in mehreren Schritten über rund 1 Jahr, wobei die absolute Größe der Zukäufe mit der Zeit abnimmt. Ein Drittel der gesamten Position ist im Mittel bereits nach 1 Monat erreicht, die Hälfte nach 2 Monaten und 90 Prozent am Ende des 8. Monats. Beim Positionsaufbau folgen die Manager also im Wesentlichen dem Verlauf des noch verfügbaren Alphas. Der Abbau der Positionen erfolgt ebenfalls graduell. Er beginnt passend zum Alpha-Verfall nach mehr als 12 Monaten Haltedauer, zieht sich dann aber teils lange hin.

 

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Die Grafik zeigt das absolute (Balken) sowie kumulative (Linie) 4-Faktor-Alpha von zum Zeitpunkt null neu gekauften Aktien in Basispunkten. Die Hälfte des Alphas ist bereits nach 4 Monaten in den Kursen eingepreist. Quelle: Di Mascio, R. / Lines, A. / Naik, N. Y. (2017), Alpha Decay

 

Doch warum bauen die Manager ihre Positionen nicht schneller auf, um stärker vom anfangs verfügbaren Alpha zu profitieren? Dazu schreiben die Forscher, dass es sich um strategisches Trading handelt, da auch im Fall zusätzlicher Kapitalzuflüsse kein schnellerer Positionsaufbau zu beobachten ist. Die mögliche Erklärung eines Mangels an verfügbarem (Arbitrage-)Kapital entfällt also.

Strategisches Trading bedeutet, dass die Manager ihren Orderflow begrenzen, um den Einfluss auf die Preise zu verringern und zu vermeiden, dass ihre (nicht öffentlichen) Informationen eingepreist werden. Aus ihrer Sicht ist es besser, wenn sich die Kurse langsam anpassen. Bei Aktien mit vielen Analysten und entsprechend stärkerer Konkurrenz gehen die Manager dagegen aggressiver vor, was schnellere Preisanpassungen bedeutet.

 

Fazit

Institutionelle Manager bauen Aktienpositionen analog zum Alpha-Verfall degressiv über rund 12 Monate auf.

 

Quelle: Di Mascio, R. / Lines, A. / Naik, N. Y. (2017), Alpha Decay, Inalytics & Columbia University & London Business School

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