So funktionieren inflationsgeschützte Anleihen

Inflationsindexierte Anleihen schützen Anleger vor Preissteigerungen, indem sie – je nach Instrument etwas unterschiedlich – den Nennwert und/oder die Zinszahlungen an ein Maß für die Inflation koppeln. In Europa ist es der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI), in den USA der Consumer Price Index (CPI). Dadurch soll die Kaufkraft der Anleger zum Laufzeitende erhalten werden. Deshalb werden inflationsgeschützte Anleihen anhand der realen und klassische Anleihen anhand der nominalen Rendite gemessen.

 

Was ist besser?

Die entscheidende Frage für Anleger ist nun, wann inflationsgeschützte Anleihen besser sind als klassische. Die Antwort: Immer dann, wenn die während der Laufzeit realisierte Inflation höher ist als zuvor erwartet. Alles andere ist bereits eingepreist. Den Ausschlag gibt die Breakeven-Inflationsrate. Dazu ein Beispiel. Eine klassische, 10-jährige Anleihe rentiert nominal zu 5 Prozent und eine sonst identische, inflationsgebundene Anleihe real zu 2 Prozent. Die Differenz von 3 Prozentpunkten ist die Breakeven-Inflationsate, bei der beide gleich abschneiden. Liegt die tatsächliche Inflation in den nächsten 10 Jahren aber unter 3 Prozent, ist die klassische Anleihe besser – im umgekehrten Fall wäre es die inflationsindexierte.

 

Breakeven Inflationsrate USA 10 Jahre
Inflationsgeschützte Anleihen sind besser als klassische, wenn die Inflation auf 10-Jahres-Sicht höher ist als die Breakeven-Rate zum Kaufzeitpunkt. Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis

 

Die inflationsindexierte Variante dient also dazu, sich vor unerwartet hoher Inflation zu schützen. Allerdings haben viele Anleger das Inflationsrisiko erst auf dem Schirm, wenn es bereits hoch ist. Ob die hohen Erwartungen für die künftige Laufzeit dann noch übertroffen werden können, ist fraglich. Und das ist nicht alles: Selbst wenn die Inflation kurzfristig weiter steigt, sollte das Zinserhöhungen und damit mittelfristig höhere reale Renditen verursachen. Langfristig dürfte die Inflation deshalb wieder sinken. Man muss also die richtige Laufzeit erwischen, wenn man die Position bis zum Laufzeitende hält. Alternativ könnte man während eines temporären Inflationsschocks verkaufen, ist dann aber nicht mehr vor einem möglichen, weiteren Anstieg geschützt.

 

Kein großer Unterschied

Aufgrund der Interaktion von Inflation und Zinsen sind die Unterschiede klassischer und inflationsgeschützter Anleihen in der Regel klein. Außerdem reagiert auch der traditionelle Anleihemarkt auf Inflationsänderungen. Man kann sogar argumentieren, dass traditionelle Anleihen einen (kleinen) Renditevorteil haben, da Anleger hier das Risiko einer unerwartet hohen Inflation tragen. Das könnte eine systematische Renditeprämie rechtfertigten. Einen echten Vorteil hätten Inflation Linker allerdings, wenn die Notenbanken in Zukunft höhere Inflation dulden und weniger gegensteuern. Dann würden die Preissteigerungen wohl höher ausfallen als heute erwartet.

Zu bedenken ist außerdem, dass inflationsgeschützte Anleihen in erster Linie „Anleihen“ sind. Das heißt, dass das Fahrwasser selbst bei einem unerwarteten Inflationsanstieg rau wird, wenn die Zinsen am Markt stark steigen. Denn wie bei normalen Anleihen fallen dann die Kurse, vor allem für lange Laufzeiten. So zum Beispiel beim Zinsanstieg von 2022 bis 2023. Das bedeutete Kursverluste bei inflationsindexierten Anleihen, die viel größer waren als der positive Effekt höherer Inflationsraten. Dass die Verluste etwas geringer ausfielen als bei sonst identischen, klassischen Anleihen, dürfte dabei ein schwacher Trost gewesen sein.

 

Fazit

Inflationsgeschützte Anleihen klingen spannend, lassen aber keine höheren Renditen als klassische Anleihen erwarten.

One thought on “So funktionieren inflationsgeschützte Anleihen”

  1. Danke für die Infos. Hatte nach eigener Recherche diese Art von Anleihen auch für sinnfrei erachtet.
    Es gibt auch Etf, da sind dann 42% französische Anleihen enthalten, ein weiteres KO Kriterium…

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