Diversifizierte Portfolios haben sich bewährt. Im einfachsten Fall kann es ein Mix von Aktien und Anleihen sein. Langfristig konnten damit attraktive risikobereinigte Renditen erzielt werden. Doch in der Praxis stellt sich die Frage, wie oft die Positionen auf ihre Ausgangsgewichtungen zurückgesetzt werden sollten. Geschieht es zu oft, fallen hohe Transaktionskosten an. Geschieht es gar nicht, verschieben sich die Gewichtungen mit der Zeit immer weiter. Das Portfolio würde zunehmend von seiner ursprünglichen Allokation abweichen. Das Paper „Stocks, Bonds, Bills, and Inflation“ zeigt ein extremes Beispiel. [1] Demnach wäre die Aktienquote eines 50/50-Portfolios von 1926 ohne Anpassungen bis zum Jahr 2020 auf 98,3 Prozent gestiegen.
Der Rebalancing-Effekt
Das Zurücksetzen der Positionen sollte also nicht zu oft, aber auch nicht zu selten erfolgen. Der Idealbereich scheint zwischen quartalsweiser und jährlicher Frequenz zu liegen. Dabei lässt sich die Rebalancing-Prämie so erklären, dass gestiegene Märkte teuer verkauft und gefallene Märkte billig gekauft werden. Im Lauf der Zeit können sich Anleger durch das Hin und Her der Kurse ein kleines Extra sichern.

Nimmt man weitere Märkte hinzu, fällt die Rebalancing-Prämie in der Regel höher aus. Bei Rückrechnungen werden gern mehr oder weniger stark korrelierte Emerging Markets, Gold und Bitcoin verwendet. Dabei scheint es so, dass deren hohe Volatilitäten geradezu vorteilhaft sind. Denn dadurch gibt es größere Diskrepanzen, die sich im Zeitablauf durch billiges Kaufen und teures Verkaufen nutzen lassen. Kritiker bezeichnen den Effekt aber als Volatility Pumping. Das liegt daran, dass die Sache – abgesehen von den hohen Schwankungen dieser Anlageklassen – einen Haken hat: Nicht immer ist Rebalancing besser als Buy and Hold. Die damit verbundene Prämie kann auch negativ sein.
Mean Reversion vs. Momentum
Das Zünglein an der Waage ist der Charakter der einbezogenen Märkte. Aus dem Paper „Portfolio Rebalancing: A Stable Source of Alpha?“ geht hervor, dass Rebalancing nur besser ist als Buy and Hold, wenn die relativen Preisentwicklungen dazu neigen, sich umzukehren (Mean Reversion). [3] Unter dieser Voraussetzung geht die Rechnung auf: Werte, die sich schlecht entwickelt haben, werden bei der Neugewichtung gekauft und laufen danach besser (und umgekehrt).
Das ist aber nicht immer der Fall. Bewegen sich die Märkte prozyklisch in langen, starken Trends, begünstigt dieses Momentum den Buy-and-Hold-Ansatz. Ebenso ist es, wenn die unterschiedlichen Renditen systematischer Natur sind. Dann führt das Rebalancing zu einer Underperformance, indem fortlaufend die besser (schlechter) rentierende Anlage verkauft (gekauft) wird. Das kann bewusst geschehen, um die gewünschte Allokation zu wahren, ist in aber mit niedrigeren Renditen verbunden. Bei Buy and Hold würde das systematisch bessere Investment in diesem Szenario dagegen immer weiter an Gewicht zulegen und das Portfolio entsprechend besser performen. Rebalancing ist also ein aktiver Eingriff ins Portfolio, das sich sonst mit dem natürlichen Drift der Märkte verschieben würde.
Fazit
Die wichtigste Voraussetzung für das Erzielen positiver Rebalancing-Prämien ist der Mean-Reversion-Charakter der einbezogenen Märkte.
Quellen:
[1] Ibbotson, R. G. / Harrington, J. P. (2021), Stocks, Bonds, Bills, and Inflation (SBBI): 2021 Summary Edition, Research Foundation
[2] Denkenberger, T. (2020), Rebalancing Alpha, Sankala Group
[3] Kiskiras, J. / Nardon, A. (2013), Portfolio Rebalancing: A Stable Source of Alpha?