Überrendite durch Betting Against Beta

Betting Against Beta ist eine Renditeanomalie am Kapitalmarkt. Sie besagt, dass Aktien mit niedrigem Marktfaktor (Beta) im Mittel höhere risikoadjustierte Renditen erzielen als Aktien mit hohem Beta. In der Studie „Betting Against Beta“ untersuchen Andrea Frazzini and Lasse Heje Pedersen den Effekt im Detail und beschreiben einen plausiblen Erklärungsansatz. [1]

Die Autoren betrachten die Renditen von nach Beta sortierten Portfolios. Dabei können sie ein klares Muster nachweisen, das von hohen Alphas und Sharpe Ratios für Low-Beta-Werte hin zu niedrigen oder teils sogar negativen Alphas und Sharpe Ratios für High-Beta-Werte verläuft. Sie definieren den BAB-Faktor als Portfolio, das Low-Beta-Werte hochgehebelt auf ein Beta von 1 hält und High-Beta-Werte heruntergehebelt auf ein Beta von 1 leerverkauft.

Am US-Aktienmarkt ermitteln die Forscher für den Faktor im Zeitraum von 1926 bis März 2012 statistisch signifikant positive risikoadjustierte Renditen mit einem Sharpe Ratio von 0,78. Dieser Wert entspricht etwa dem Doppelten des Value- und dem 1,4-Fachen des Momentum-Effekts im gleichen Zeitraum. Die Ergebnisse für 20 internationale Aktienmärkte fallen ähnlich aus.

 

Betting Against Beta BAB Faktor Faktorprämie
Die Grafik zeigt das monatliche Alpha von aufsteigend nach Beta sortierten Portfolios von US-Aktien (links) und internationalen Aktien (rechts). Quelle: [1]

 

Niedriges Beta + Hebel

Die Erklärung für den Effekt basiert auf der Annahme, dass Marktteilnehmer die höchstmöglichen erwarteten Renditen in Relation zum eingegangenen Risiko erzielen möchten. Gleichzeitig sind sie aber oft eingeschränkt, was den Einsatz eines Hebels angeht. Um trotzdem möglichst hohe Renditen zu erzielen, greifen deshalb auf Aktien mit höherem Beta zurück. Das führt dazu, dass deren Kurse steigen und gleichzeitig deren erwarteten Renditen fallen. Die Erklärung ist schlüssig, da das Alpha von Werten mit hohem Beta empirisch betrachtet niedriger ausfällt. Gleichzeitig werden Aktien mit niedrigem Beta weniger nachgefragt und haben entsprechend höhere erwartete Renditen. Allerdings erfordern diese Low-Beta-Werte eben den Einsatz eines Hebels, um entsprechend höhere absolute Renditen zu erzielen.

Dass die Möglichkeiten zum Hebeleinsatz tatsächlich einen limitierenden Faktor darstellen, zeigt sich der Studie zufolge darin, dass Marktteilnehmer mit stärkeren Hebelbeschränkungen insgesamt Aktien mit höherem Beta – und damit höherem Risiko – halten. Die Autoren schreiben, dass auch die Nachfrage nach gehebelten ETFs ein Zeichen dafür ist, dass viele Investoren keine direkten Hebel anwenden können. Marktteilnehmer, die flexibel auf Hebel zurückgreifen können, sind dagegen in der Lage, den BAB-Effekt systematisch auszunutzen: Sie untergewichten, vermeiden oder shorten Aktien mit hohem Beta und kaufen gehebelt Aktien mit niedrigem Beta. Tatsächlich zeigte sich diese Strategie auf der Long-Seite auch bei Warren Buffetts Berkshire Hathaway: Er investierte systematisch in Low-Beta-Aktien und war in der Lage, diese entsprechend zu hebeln.

 

Fazit

Aktien mit niedrigem Beta erzielen höhere risikoadjustierte Renditen als Aktien mit hohem Beta.

 

Quelle:

[1] Frazzini, A. / Pedersen, L. H. (2013), Betting Against Beta, AQR Capital

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